Hans Eichel sprach im Haus für Gemeinschaftspflege über die Staatsschuldenkrise

„Wirtschaft muss wachsen“

Zu Gast in Treysa: Hans Eichel (rechts) mit Bürgermeister Wilhelm und Kröll und dem Kandidat Dr. Fabio Longo. Foto: Rose

Treysa. Nicht nur seine Parteigenossen nennen ihn gern den Sparfuchs: Bis heute gilt der frühere Kasseler Oberbürgermeister und Finanzminister Hans Eichel als kühler Rechner. Dieses Talent stellte Eichel am Freitagabend auch bei einer Analyse der Staatsschulden- und der Wirtschaftskrise im Haus für Gemeinschaftspflege in Treysa unter Beweis.

Eingeladen hatten ihn der SPD-Stadtverband und Bürgermeisterkandidat Dr. Fabio Longo.

Eichel stellte klar: „Wir dürfen unser Land nicht kaputt sparen. Und wer Geld spart, tut dies nicht zum Selbstzweck, sondern weil er es für etwas bestimmtes braucht.“ Eindringlich warnte er jedoch davor, den Rotstift im Bereich der Bildung anzusetzen. „Aufgrund des demografischen Wandels werden wir immer weniger. Deshalb müssen die Wenigen noch qualifizierter sein.“ Sicher, in Bezug auf die Energiewende müsse man die Subventionen runterfahren: „Aber doch nicht jetzt, kurz vor Toreschluss. Das ist ein Wahnsinn“, erklärte Eichel. Für ihn sei eines mehr als deutlich. „Die großen Konzerne wollen die Wende nicht.“

Auch zum Thema öffentliche Finanzen bezog der Genosse klar Stellung. „Wir müssen uns darüber klar werden, was wir uns nicht leisten können – wenn wir uns neue Dinge leisten wollen.“ Ein vernünftiger Lebensstandard für alle sei jedoch nur über höhere Steuern möglich: „Da sollten wir uns ein Beispiel an den Skandinaviern nehmen – wer viel hat, kann im Sinne des Gemeinwohls auch mehr bezahlen.“

Steuersenkungen könne man sich sich – solange der öffentliche Haushalt nicht ausgeglichen sei – nicht leisten. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise bilanzierte Eichel: „Die ist gut bewältigt worden, weil die Welt zusammen gehalten hat.“ Nach wie vor da sei aber die Staatsschuldenkrise und ein nicht gebändigter Finanzmarkt. „Es ist keine Krise der Währung“, betonte Eichel. Wichtig sei, dass Deutschland sich etwa 50 Prozent des Wohlstandes aus dem Handel mit der Welt erwirtschafte. Deshalb sei das Interesse, dass Kunden zahlungsfähig bleiben, existentiell. Wer immer Geld aus dem Internationalen Währungsfonds erhalte – „Deutschland ist mit sechs Prozent dabei“. Würden die Griechen weiter sparen, kämen sie nie aus der Krise heraus. „Nur mit Wirtschaftswachstum geht die Staatsverschuldung wieder zurück“, sagte Eichel. „Aber ich bin klar gegen jeden Schuldenerlass.“

Quelle: HNA

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