Nach Tod von Arzt

Ärztemangel spitzt sich zu: Praxis droht die Schließung

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Symbolbild: In Witzenhausen droht die Schließung einer Arztpraxis.

Der Ärztemangel macht auch vor Witzenhausen nicht halt. Nach dem Tod von Norbert Frank, droht die Schließung der Arztpraxis. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig.

Der Ärztemangel im Kreis spitzt sich weiter zu: Findet sich kein Nachfolger für den im Oktober verstorbenen Norbert Frank, muss die Praxis in Witzenhausen schließen. Aktuell gibt es in der Kirschenstadt laut Alexander Kowalski, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen neun Hausärzte, die sich auf sechs Praxen verteilen. 

„Derzeit ist die Versorgung gut, aber unter den Hausärzten in Witzenhausen gibt es nur drei junge“, sagt Dr. Dieter Nottrodt. Der 70-Jährige, der 2015 trotz „langer und intensiver Suche“ keinen Nachfolger für seine Praxis fand, hat übergangsweise die Vertretung in Franks Praxis übernommen. 

Die Nachbesetzungsquote in Witzenhausen liegt in drei Jahren bei 33 Prozent

Von den neun Ärzten ist einer älter als 50, fünf sind sogar älter als 60 Jahre, bestätigt Kowalski. Ausgehend von einer Praxisabgabe mit 65 Jahren, liege die Nachbesetzungsquote für Witzenhausen in drei Jahren bei 33 Prozent, in fünf schon bei 56 Prozent. Für den gesamten Kreis mit seinen 64 Hausärzten in 38 Praxen liege die Quote in drei Jahren bei 28 Prozent, in fünf bei 40 Prozent.

Besonders problematisch: Mit Frank ist der einzige Substitutionsarzt (Hintergrund) im Nordkreis verstorben. Seine 40 Patienten müssen nun nach Kassel fahren, da Franks Vertretungsärzten diese Fortbildung fehlt. Harald Klement, stellvertretender Vorstand der BKK Werra-Meißner, rät Betroffenen, ihre Krankenkasse zu kontaktieren, eventuell sei eine Erstattung der Fahrtkosten möglich. 

Auf der offiziellen Liste der KV stehen keine weiteren Substitutionsärzte für den Werra-Meißner-Kreis. Laut Kowalski gibt es aber drei Ärzte, welche die Fortbildung haben, jedoch bietet aktuell nur ein Arzt in Eschwege die Substitution an. Dieser habe der KV die Genehmigung zur Veröffentlichung seiner Kontaktdaten nicht erteilt.

Allgemeinmediziner Dr. Dieter Nottrodt.

Bis auf Psychiater, welche die Qualifikation automatisch haben, muss laut Kowalski jeder Arzt, der Substitution anbieten möchte, ein einwöchiges Seminar besuchen, dessen Kosten zwischen 850 und 1000 Euro liegen und selbst getragen werden müssen. Ein Substitutionsarzt muss einen Tresor zur Aufbewahrung der Betäubungsmittel haben. Er erhält keine zusätzliche Vergütung für das Angebot.

Von Gudrun Skupio

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