Große Bedenken

Tiermast in Gudensberg: Wohin mit all den neuen Ställen?

Im Außenbereich, aber doch noch dicht am Dorf: Große Tierställe wie der Schweinemaststall zwischen den Gudensberger Stadtteilen Deute (im Hintergrund) und Dissen dürfen bisher von Landwirten auf eigenem Grundstück errichtet werden. Foto: ula

Gudensberg. Immer größere Mastställe mit immer mehr Tieren - das führt zu wachsenden Konflikten mit Kommunen und ihren Bewohnern.

In Gudensberg, Niedenstein und Umgebung gibt es bereits eine Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung, die den Bau weiterer Großställe befürchtet, auch angesichts der Gudensberger Geflügel-Schlachterei, die ihre Kapazität erweitern will.

„Leider hat der Gesetzgeber den Kommunen viel zu wenig Möglichkeiten an die Hand gegeben, um Einfluss auf die Planung neuer Ställe ausüben zu können.“

Mit einem Pilotprojekt, bei dem es um eine bessere Steuerung der Stallbauten und einen gerechteren Ausgleich zwischen Landwirten und Anwohnern geht, wollen die Stadt Gudensberg und der hessische Städte- und Gemeindebund für mehr Einfluss der Kommunen und damit der Öffentlichkeit auf die Planungen eintreten.

Nicht immer sei die Erweiterung eines Hofes oder der Neubau eines Maststalles unproblematisch, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Vor allem gegen eine zunehmende Intensiv-Tierhaltung gebe es große Bedenken.

Anwohner befürchten Geruchsbelästigungen, der vorgeschriebene Abstand zur Wohnbebauung werde oftmals subjektiv als unzureichend empfunden.

Große Stallungen könnten zudem das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigen, das Potenzial für eine zukünftige Siedlungsentwicklung zerstören und die Eigenart ländlicher Räume als Naherholungs- und Tourismusgebiete in Frage stellen. Das seien gerade für Gudensberg sehr wichtige Punkte, denn die Stadt möchte mehr als bisher für Touristen attraktiv werden.

Hinzu kommen die Aspekte des Tierschutzes, die Kritik am zu großen Einsatz von Antibiotika und der Wunsch nach einer artgerechten Tierhaltung.

„Leider hat der Gesetzgeber den Kommunen viel zu wenig Möglichkeiten an die Hand gegeben, um Einfluss auf die Planung neuer Ställe ausüben zu können“, sagt Bürgermeister Frank Börner. Gudensberg wolle dies nicht länger hinnehmen.

Bereits im März 2014 beschloss das Gudensberger Parlament eine Änderung des Flächennutzungsplanes, der nun als Instrument zur Steuerung von großen Tiermastanlagen dienen soll.

Das sei kein einfaches Unterfangen, sagt Börner, denn landwirtschaftliche Vorhaben seien außerhalb der Ortslagen privilegiert und könnten nicht ohne weiteres verhindert werden.

Für die Planung möglicher Standorte der Tiermast-Ställe werde man sich zwei Jahre Zeit nehmen, sagt Börner. Solange gelte eine Veränderungssperre, die schon beschlossen wurde. Sie verhindert, dass in der Zwischenzeit vollendete Tatsachen geschaffen werden. Stallneubauten sind bis dahin auf Eis gelegt.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare