Erich Kral aus Naumburg

Kleines Stück Urwald als Paradies: Wohnzimmer in der Natur

Selbstgeschaffenes Domizil unter Bäumen: Erich Kral genießt seine Freizeit an seinem Lieblingsplatz Auf der kleinen Röde in Naumburg. Foto: Hoffmann

Naumburg. Gäbe es mehr Menschen wie ihn, würde manch öffentlicher Platz hübscher daherkommen. Erich Kral nämlich konnte irgendwann nicht mehr mit ansehen, wie die verwunschene Ecke vor seinem Haus Auf der kleinen Röde in Naumburg immer mehr verwahrloste.

„Alles war durcheinander gepflanzt, zum Saubermachen kam höchsten einmal im Jahr jemand vorbei“, sagt der 50-jährige Familienvater, der vor einigen Jahren kurzerhand selbst zu Schaufel und Gartenschere griff und den unansehnlichen „Urwald“ Stück für Stück in ein schmuckes Erholungsplätzchen verwandelte.

Hier fühlt er sich wohl, wenn er nach einem anstrengenden Arbeitstag im VW-Werk auf der hölzernen Bank sitzt, bei einem eiskalten Radler seinen Blick über die grünen Felder weiter zum Naumburger Stadtwald schweifen lässt und die Ruhe genießt. Die Motorengeräusche der vorbeifahrenden Autos nimmt er dann gar nicht mehr wahr, das Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Grillen scheinen alles zu übertönen. Obwohl mitten im Geschehen, fühlt er sich dann der Natur doch ganz nah. Die Sicht zur nahegelegene Weidelsburg versperrt derzeit eine große Eiche. „Das wird sich aber bald ändern, wenn sie ihre Blätter verloren hat“, freut sich Kral.

Doch es ist nicht nur der Ausblick, der das „Wohnzimmer unter Bäumen“, wie er seinen Lieblingsplatz bezeichnet, so besonders macht. Auch die liebevolle Gestaltung an sich lädt immer wieder Spaziergänger zum Verweilen ein. Umringt von großen Steinen, die Kral in den umliegenden Feldern gesammelt hat, wachsen kunterbunte Blumen und duftende Gräser. Vor der massiven Bank thronen zwei mächtige Blüten, die er selbst mit der Motorsäge aus einem dicken Holzstamm herausgearbeitet hat. „Man hat ja sonst nichts zu tun“, sagt der Naumburger lachend, der auf Bitten der Stadtverwaltung die offizielle Patenschaft für seinen Lieblingsplatz übernommen hat.

Schließlich ist der längst auch in der Bevölkerung ein willkommener Ort zum Durchatmen geworden, einmal im Jahr treffen sich hier sogar die ehemaligen Prinzen und Prinzessinnen der Karnevalshochburg. Dann müssen die hölzernen Blumen einer überdimensionalen Prinzenkappe als Mittelpunkt weichen, die träumerische Ruhe den närrischen „Hahldunne“-Rufen der Ex-Regenten. Für ein paar Tage feiert Kral, der 2002 selbst Karnevalsprinz war, dann gern mit seinen Karnevalsfreunden im Open-Air-Wohnzimmer, denn er weiß genau, dass schon bald wieder Ruhe einkehren wird an seinem Lieblingsplatz.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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