Büchervorstellung über jüdische Geschichte im Mander Salon

Wolfhagen. Ernst Klein aus Volkmarsen stellt sein Buch „Verschwundene Nachbarn – Verdrängte Geschichte“ vor: In dem 300 Seiten starken Werk berichtet er über das Leben jüdischer Mitbürger in Wolfhagen und Umgebung.

Darin beschreibt er die Bevölkerungsentwicklung der Juden seit 1235, wo die ersten zwanzig Juden nach Wohlfhagen kamen und ermordet worden bis heute, wo es keine jüdischen Einwohner mehr gibt.

Doch wichtiger als Zahlen sind Ernst Klein die Schicksale von jüdischen Nachbarn, Kollegen und Freunden, die einst im Wolfhager Landkreis wohnten.

Haben sie den Holocaust überlebt? Wenn ja, wo leben sie heute? Und wie stehen sie zu Deutschland? So begann er vor zwanzig Jahren, Suchinserate in den USA und Israel aufzugeben. Erste schriftliche Kontakte entstanden und irgendwann kam es zu persönlichen Begegnungen. Zeitzeugen, die ihm in vielen Interviews nach anfänglichen Berührungsängsten ihre Lebensgeschichten anvertrauten, um Brücken über Gräben zu bauen.

Einen besonderen Platz in dem Buch nehmen die persönlichen Berichte jüdischer Kinder ein, die nur überlebt haben, weil sie von ihren Eltern in einem Kindertransport nach Großbritannien und Holland geschickt wurden. Ein Kind von vielen ist Ralf Möllerich aus Wolfhagen, der mit acht Jahren auf diese Weise nach England kam. Ernst Klein liest vor, wie Ralf in einem Brief vom Heimweh nach Deutschland und der Angst um seine Eltern schreibt. Berührend auch sein weiteres Schicksal. Die Eltern wurden getötet, er durchlief etliche englische Heime und kam mit 16 schließlich in die USA, wo er noch heute lebt.

Einige der Überlebenden, die aus Wolfhagen und Umgebung kamen, haben inzwischen ihre alte Heimat wieder besucht. Sie waren sehr berührt darüber, dass ihnen jemand zuhörte, dass sie nicht vergessen worden sind. Denn es gab nicht nur den Holocaust, sondern auch Deutsche, die den Juden während des Hitler Regimes geholfen haben.

Ernst Klein ist Leiter des Informationszentrums „Rückblende - Gegen das Vergessen e. V.“ in Volkmarsen.

Im Anschluss stellte Elke Müldner weitere Literatur von jüdischen Schriftstellern und jüdischem Leben vor. (un)

Quelle: HNA

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