Jetzt rücken Wärme und Verkehr in den Fokus

Wolfhagen deckt Strombedarf komplett aus erneuerbaren Energien

Wolfhagen. Was passiert in Wolfhagen, wenn zum Jahresende das Projekt „100 Prozent erneuerbare Energie – Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung für die Stadt Wolfhagen“ ausläuft?

Die Akteure lobten nicht nur die vielen Ergebnisse und Erfolge, sie wagten auch einen Blick in die Zukunft. Und der machte deutlich, dass die großen Brocken auf dem Weg zur Energiewende noch kommen.

Die Frage ist: „Wie bekommen wir die fossilen Energieträger weg“, brachte es Dr. Christina Sager-Klauß vom Fraunhofer IWES in Kassel auf den Punkt. Den Strom für die Verbraucher in Wolfhagen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu ziehen, sei eine vergleichsweise einfache Aufgabe gewesen, räumte auch Alexander Rohrssen, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen, ein.

Die Aufmerksamkeit müsse künftig den Bereichen Verkehr und Wärme gehören. Innerhalb der Bundesrepublik habe der durchschnittliche Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2016 bezogen auf die drei Sektoren Strom (32 Prozent), Wärme (13 Prozent) und Verkehr (fünf Prozent) bei zusammen 16 Prozent gelegen, sagte Thomas Neuroth vom Projektbüro der Energieoffensive Wolfhagen.

Berücksichtige man, dass Wolfhagen beim Strom komplett auf regenerative Energie zurückgreife und nehme für die Bereiche die Verkehr und Wärme die Bundeswerte an, würde die Stadt etwa 32 Prozent seines Gesamtenergiebedarfes aus erneuerbaren Quellen beziehen. Aber dies sei nur ein sehr vages Modell, das an einigen Stellen unscharf sei, räumte Wissenschaftlerin Sager-Klauß ein. So sei Wolfhagen beim Verkehr eher traditionell eingestellt, und bei der Wärme falle die Stadt durch einen hohen Anteil an Holzheizung auf. Einig sind sich die Projektbeteiligten, dass der Anteil der erneuerbaren Energie in den kommenden Jahren sukzessive wachsen müsse. Mehr Wärmepumpen sollen installiert, verschiedene Energiesysteme vernetzt und E-Autos so geladen werden, dass es für das Stromnetz keine Probleme gibt, sagte Rohrssen.

Ausgesuchte Ergebnisse des Projekts im Überblick:

Stadt Wolfhagen

• Zusammenarbeit mit Eigentümern von Altstadthäusern bei der energetischen Sanierung – acht Workshops

• 140 Hausbegehungen, Eigentümer erhielten Buch über energetische Bilanz ihrer Häuser mit Sanierungspotenzial

• Hauseigentümer sensibel gemacht für strukturellen Wandel in Altstadt und darauf basierend, Sanierungen angestoßen – 20 Projekte wurden gefördert, über 5,5 Mio. Euro investiert.

Stadtwerke Wolfhagen

• E-Mobilität durch Leihauto in Fokus gerückt, 200 Personen nutzen E-Auto, 45 000 Kilometer wurden gefahren; Verleih von E-Bikes, E-Ladestation für Gewerbebetriebe

• Gründung der Umweltstiftung, sechs verschiedene Förderprogramme entwickelt, über 220 Anträge wurden gestellt

• 35 Haushalte testen flexiblen Einsatz von Haushaltsgeräten und zwar dann, wenn viel Strom aus erneuerbarer Energie vorhanden ist. Daraus wird ein realisierbares Flexibilisierungspotenzial in Abhängigkeit von sozialen (Familiengröße) und technischen (Internetverbindung, Gebäudearchitektur) Voraussetzungen ermittelt.

Energie 2000

• Beratungsbüro zum Thema Energie wurde 2012 eröffnet und hat sich etabliert, über 9000 Kontakte, 140 Veranstaltungen, darunter 30 Bildungsangebote für Kinder an Kitas und Schulen

• Zwei Mal jährlich kommt die Info-Schrift „Wandelblatt“ heraus, die auch im Internet abrufbar ist

• Die Mitarbeiter wollen nach Auslaufen des Projekts Ende 2017 ein Beratungsangebot aufrecht erhalten.

Quelle: HNA

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