Braut war noch nicht volljährig

Elfriede und Reinhard Böhm heirateten vor 60 Jahren

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Lieblingsplatz Garten: Elfriede und Reinhard Böhm erinnern sich heute in Wettesingen ihrer Hochzeit vor genau 60 Jahren.

Breuna. Ein trockener Frühherbsttag war das in Wettesingen, heute genau vor 60 Jahren. Dass sich Elfriede Böhm (78) daran noch gut erinnern kann, hat seinen Grund: Mit ihrem Reinhard (heute 82) stand sie in der Dorfkirche vor dem Traualtar.

Die Hochzeitsfeier anschließend war für die kargen Verhältnisse damals schön, erinnert sich das Paar weiter. Nun aber, aus Anlass des Diamantenen Ehejubiläums, soll viel größer gefeiert werden als damals.

Nachkriegszeit

Wie sich die beiden kennengelernt haben, werden wohl einige der Gäste das Paar fragen. Und die Gedanken der Böhms wandern dann zurück in jene Jugendjahre, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit keine leichten waren. 17 Jahre jung war Elfriede Peppe, als Reinhard Böhm bewusst ihren Weg kreuzte. Von den Jungschartreffen holte er sie ebenso ab wie von Spinnstubenabenden - und brachte sie brav nach Hause. „Da dachte man noch nicht ans Heiraten“, verrät die heutige Diamant-Braut schmunzelnd. Das sollte sich aber binnen eines Jahres ändern.

Der Krieg wirkte sich für die beiden späteren Ehepartner schicksalhaft aus. Elfriede Peppe verlor im Kindesalter den Vater, nur ein Jahr darauf die Mutter. Im Haus der Großeltern, wo die Böhms noch heute wohnen, wuchs sie auf. Auch der Großvater starb bald und dann die Oma, noch bevor die junge Frau volljährig wurde. Mit 18 zu heiraten, erwies sich als Problem. Das Vormundschaftsgericht in Wolfhagen erteilte schließlich die Erlaubnis.

Über Umwege

Reinhard Böhm hatte es über etliche Umwege nach Wettesingen verschlagen. Aus seiner ostpreußischen Heimat (Treuburg/Masuren) floh er im Oktober 1944 als Junge per Anhalter und auf Güterzügen ohne Familie vor der russischen Armee. In Wettesingen fand Reinhard Böhm schließlich eine neue Heimat und in Niederelsungen eine Lehrstelle als Zimmermann. Sein komplettes weiteres Berufsleben spielte sich in Kassel ab. Dort arbeitete der Neu-Wettesinger als Einschaler am Bau, die letzten Jahre bis zum Vorruhestand als Polier.

Ehefrau Elfriede fuhr nicht nur täglich zur Werksarbeit nach Warburg, sondern half ihrem Mann bei der Nebenerwerbslandwirtschaft, hielt Haus, Hof und Garten gepflegt. Um das riesige Grundstück mit einem großen Gemüsegarten kümmern sich die beiden bis heute mit viel Liebe und Geschick. Das macht jede Menge Arbeit, auch das Einkochen und Einfrieren der eigenen Ernte.

Die Böhms aber sind stolz: „Wir leben direkt aus dem Garten.“ Und dann gedeiht dort bis zum Herbst auch noch eine eindrucksvolle bunte Pracht: Blumen sind Elfriede Böhms große Leidenschaft - und das Backen. Der Hausherr steht auch gerne mal am Herd und macht, wie seine Frau freimütig eingesteht, „vorzüglichen Braten“.

Reisen haben für die Böhms an Reiz verloren. Das Diamantene Paar ist sich einig: „Zu Hause ist’s am schönsten.“

Quelle: HNA

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