Holocaust-Überlebende Ludwig Kann und Ralph Mollerick zu Ehrenbürgern ernannt

Ehrenbürger: Bürgermeister Reinhard Schaake (von links) verlieh Ludwig Kann und Ralph Mollerick gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz die Ehrenbürgerschaft. Foto: Michl

Wolfhagen. Es war eine außergewöhnliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der festlich geschmückten Stadthalle. Nur ein Punkt stand auf der Tagesordnung: Die Ehrenbürgerschaft der Stadt für Ludwig Kann und Ralph Mollerick.

Während eines feierlichen Festaktes verliehen Bürgermeister Reinhard Schaake und Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz die besondere Auszeichnung an die beiden letzten aus Wolfhagen stammenden Juden, die den Holocaust überlebten.

Ralph Mollerick war mit seiner Familie extra aus den Vereinigten Staaten von Amerika angereist und erntete mit seinem Bekenntnis „Ich bin ein Wolfhager“ Applaus. Er reichte, ebenso wie Ludwig Kann, allen Bürgerinnen und Bürgern seiner Geburts- und Heimatstadt zur Versöhnung die Hände.

„Wir, alle Wolfhager, sind den beiden neuen Ehrenbürgern der Stadt zu großem Dank verpflichtet. Sie haben trotz des Unrechts, das ihnen in Wolfhagen angetan wurde, die Kraft gefunden, wieder zu uns zu kommen, um uns die Hand zum Neuanfang, ja zur Versöhnung, zu reichen“, erklärte Festredner Arne Pillardy, ehemaliger Schulleiter der Wilhelm-Filchner-Schule. In seiner ausführlichen Laudatio ging er auch auf die Geschichte und das jüdische Leben in Wolfhagen ein. Ralph Mollerick und Ludwig Kann seien ebenso wie ihre Angehörigen in dem zweifellos dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, der fabrikmäßigen Vernichtung und dem Massenmord an jüdischen Menschen, in Wolfhagen der Diskriminierung, Entrechtlichung, Beraubung und zum Schluss Verschleppung ausgesetzt worden.

Pillardy zollte beiden Respekt dafür, dass sie die Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit der Stadt sowie der Initiativgruppe über viele Jahre hinweg tatkräftig begleitet und unterstützt haben. Er appellierte an alle Bürger, sich Wider das Vergessen einzusetzen. „Das Erinnern der jüdischen Geschichte unserer Stadt am Beispiel der beiden neuen Ehrenbürger muss uns nachdenklich und sensibel machen.“ Nachdenklich über uns Menschen, die Gutes, aber auch Böses zu tun in der Lage seien. Sensibel dem Anderen gegenüber, um seine Bedürfnisse, seine Verletzlichkeit und sein Recht auf Würde zu erkennen. So wie es im wohl wichtigsten Satz unseres Grundgesetzes verankert sei: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Musikalisch mitgestaltet wurde der Festakt vom Kinderchor der Jüdischen Gemeinde Kassel sowie vom Bläserensemble der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule.

Quelle: HNA

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