Wolfhagen feiert zum 175. Mal seinen Kram- und Viehmarkt

Wolfhagen. Es soll eine wahre Geschichte sein: Als ein Wolfhager Volksschüler im Religionsunterricht die drei höchsten Feiertage im Jahresreigen nennen sollte, kam seine Antwort wie aus der Pistole geschossen.

„Christtag (Weihnachten), Ostern und „datt Veihmarket.“ Damit sprach der Knirps den „Echten ut Wulfhagen“ aus der Seele.

„Echten ut Wulfhagen“ – so wurden die Einwohner der 1231 urkundlich erstmals erwähnten Fachwerkstadt benannt. Der Ausdruck geht zurück auf die Backkunst früherer Bäcker, die köstlichen Zwieback herstellten und diesen auf den Märkten der Region verkauften. Und weil dieser Zwieback der Beste war, galt er als der „Echte“.

„Das Viehmarkt“ ist für die Wolfhager sowie Bewohner des Wolfhager Landes das Fest der Feste. Von Donnerstag, 19., bis Sonntag, 22. Juli, wird es inzwischen zum 175. Mal gefeiert.

Im Jahr 1310 erhielten die Wolfhager Bürger das landgräfliche Recht, jährlich nach der Ernte einen Kornmarkt auf dem Marktplatz abzuhalten. Dieser befand sich in der heutigen Triangelstraße. Der jetzige Marktplatz neben der Stadtkirche war zu dieser Zeit der städtische Friedhof.

Die Geburtsstunde des Viehmarktes schlug am 29. September 1836. Da beantragte Bürgermeister Dietrich Waßmuth nach vorangegangenem Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung bei der kurfürstlichen Regierung in Kassel die Abhaltung eines Viehmarktes „auf der Liemecke mit dem „zu Jacobi“ fallenden Krammarkt.“ Der Festzeitpunkt lag auf dem letzten Mittwoch und Donnerstag im Juli. Das Kurfürstliche Ministerium des Innern zu Cassel genehmigte dies am 3. Dezember 1936.

Mit dem Viehmarkt sollte den Viehzüchtern in Wolfhagen und Umgebung die Gelegenheit zum Verkauf und Kauf gegeben werden, ohne damit in die Hände von Händlern zu geraten. Der erste Viehmarkt wurde dann am 25. Juli 1837 mit dem Bratwurstabend, oder wie man in Wolfhagen noch bis zum heutigen Tag sagt, dem „Heiligen Abend“ eröffnet. Der Viehhandelstag war auf Mittwoch festgelegt.

Um 1900 wurde der Wolfhager Viehmarkt um eine Woche vorverlegt, jetzt waren der dritte Mittwoch und Donnerstag im Juli die Hauptmarkttage. Auch damals gab es bereits eine Verlosung. Ausgespielt wurden eine Kuh, Rinder und Fohlen. Ein Fohlen kostete damals 40, eine Kuh 25 und ein Rind 19 Taler. Im Jahr 1841 zum Beispiel konnten 572 Lose zu je vier Silbergroschen verkauft werden. Erst 1861, da kostete ein Los schon siebeneinhalb Silbergroschen, kamen erstmals auch landwirtschaftliche Geräte als Gewinne dazu. (zih)

Quelle: HNA

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