Landwirt muss sein Tier für fünf Euro verkaufen

Kälbchen werden zu Ramschware: Sie sind billiger als ein Meerschweinchen

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Kälbchen werden zur Ramschware: Landwirt Thomas Hocke mit seinen Tieren. 

Die Preise für Kälber sind massiv gesunken: Teilweise erhalten Landwirte gerade mal ein bis fünf Euro pro Tier - oder werden es gar nicht los.

  • Preise für weibliche Kälber sind drastisch gesunken
  • Landwirte berichten von Erlösen zwischen einem und fünf Euro
  • Grund: Überangebot und regionale Vermarktungsrestriktionen

Im zweiten Halbjahr dieses Jahres sank der Preis nach Auskunft der Pressestelle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchschnittlich für ein weibliches Tier auf 8,49 Euro. 

Der Wolfhager Landwirt Helmut Flörke berichtet sogar von fünf Euro, die er für ein zierliches Bullenkalb kürzlich erhalten habe. Andere sollen zum Teil sogar nur einen Euro bekommen haben oder sie fanden niemanden, der das Tier übernehmen wollte.

Preise für Kälber unter dem Niveau der beiden Vorjahre

„Die Preise für Kälber liegen bereits seit Jahresbeginn unter dem Niveau der beiden Vorjahre“, so die Sprecherin des BMEL. Ursächlich hierfür sind ein Angebot, das viel größer ist als die Nachfrage und regionale Vermarktungsrestriktionen aufgrund der Blauzungenkrankheit. Ein weiterer Grund liege auch in den rückläufigen Ausfuhren in die Niederlande, die lange Jahre ein wichtiger Absatzmarkt gewesen seien.

Männliche Kälber bringen um 50 Euro - doch auch hier zahlt der Landwirt drauf

Helmut Flörke behält als Milchviehhalter die weiblichen Kälber und verkauft die männlichen an Mastviehhalter. Dabei handelt es sich um Tiere im Alter von rund drei Wochen. Der normale Preis liege um die 50 Euro, doch auch da zahle der Landwirt drauf, sagt der Wolfhager. Der Kreisbauernverband Kassel hat eine Rechnung aufgemacht. 

Ein Kalb, das mit drei Wochen verkauft wird, kostet an Futter, Arbeitszeit, Stallkosten und Besamung der Kuh rund 150 bis 200 Euro. In diesem Betrag sei noch keinerlei Gewinn enthalten, so Kreisbauern-Sprecherin Stefanie Wittich. Neben den Auswirkungen der Blauzungenkrankheit seien auch die Futterknappheit der vergangenen Jahre und die Entwicklung am Weltmarkt ursächlich für den Preisverfall.

Verbraucher diktieren Preise mit: Hundefutter kostet genau soviel wie Fleisch in Lebensmittelqualität

Letztlich seien die Preise auch ein Indiz darauf, wie viel Verbraucher bereit seien, für Fleisch zu zahlen. Mittlerweile koste Hundefutter genauso viel wie Fleisch in Lebensmittelqualität. „Ein Ferkel kostet mehr als ein Kalb“, so Helmut Flörke. Die Preise für Schweinefleisch seien durch die Schweinepest gestiegen. Allerdings gibt es in der Region kaum noch Ferkel, da die Erzeuger längst aufgeben hätten.

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Kälber werden mit rund drei Wochen verkauft

Damit Kühe überhaupt Milch geben, müssen sie Kälber gebären. Diese werden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und mit rund drei Wochen verkauft. Ein Großteil der weiblichen Tiere bleibt im Betrieb. Sie werden später Milchkühe. 

Die männlichen Kälber werden an Bullenmäster verkauft und später geschlachtet. Da es sich dabei um besonders auf Milchleistung gezüchtete Rassen handelt, ist ihre Aufzucht für die Fleischproduktion weniger interessant.

Quelle: HNA

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