Kinderarzt Dr. Harald Becker übergibt Praxis an Nachfolgerin Dr. Stefanie Diehl

Die Suche hat ein Ende

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Bereitet die Übergabe vor: Kinderarzt Dr. Harald Becker arbeitet seit dem Sommer mit seiner Nachfolgerin Dr. Stefanie Diehl zusammen. Gemeinsam kümmern sie sich um Janne Mönicke (4).

Wolfhagen. Es war eine langwierige Suche. Der Wolfhager Kinderarzt Dr. Harald Becker (67) ließ nichts unversucht, für seine Praxis einen Nachfolger zu finden. Nach vier Jahren hat er mit Dr. Stefanie Diehl (41) eine Nachfolgerin gefunden. Das allerdings war Zufall.

Die Kinderärztin hatte im Sommer vergangenen Jahres mit ihrem Auto in den Kasseler Bergen eine Panne. Die gebürtige Wilhelmshavenerin war auf dem Weg an die Nordsee, wo sie sich in einer Praxis niederlassen wollte. Diehl schaffte es mit ihrem Wagen noch nach Göttingen. Damals sei ihr die Schönheit der Landschaft mit ihren Hügeln und Wäldern wieder bewusst geworden. Die Jahre ihrer Facharztausbildung hatte sie bereits in der Region verbracht. „Ich habe dann in Göttingen nach einer Praxis gesucht und bin in Wolfhagen gelandet“, sagt die Medizinerin. Der Kasseler Kollege Alfons Fleer hatte den Kontakt ins Wolfhager Land vermittelt.

Gleich ihr erster Eindruck von der Praxis an der Kurfürstenstraße sei positiv gewesen. „Mir hat die Atmosphäre gefallen, der Umgang mit den Eltern und den Kindern“, erzählt die 41-Jährige, die zuvor als Oberärztin an einer Klinik in Würzburg tätig war. Seitdem arbeitet sie gemeinsam mit Becker, der sich zum Quartalsende zur Ruhe setzen und die Freizeit nachholen wird, auf die er in den vergangenen 25 Jahren oftmals hatte verzichten müssen.

Der 67-Jährige ist froh und erleichtert, dass die kinderärztliche Versorgung in Wolfhagen nun gesichert scheint. In wenigen Wochen will Diehl bei der Kassenärztlichen Vereinigung einen Antrag auf Zulassung stellen, über den der Zulassungsausschuss entscheiden wird. Parallel dazu hat sie bei der KV Fördergeld beantragt.

Im Land Hessen gibt es einen Topf, aus dem Ärzte unterstützt werden, die sich in ländlichen Regionen niederlassen wollen. Denn Ärzten die Arbeit auf dem Land schmackhaft zu machen, wird immer schwieriger. Dr. Harald Beckers hartnäckiges Bemühen, seine Praxis in neue Hände zu geben, passt da ins Bild. Aber angeblich sei der Landkreis Kassel nicht förderwürdig, „die Einwohnerdichte ist wohl zu hoch“, sagt Dr. Stefanie Diehl, die die Zuschüsse für Praxiskauf und Renovierungsarbeiten benötigt.

Selbst Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake hat sich in einem Brief an die KV für die Unterstützung Beckers Nachfolgerin eingesetzt. Die junge Kinderärztin hofft, mittelfristig einen Kollegen für die Praxis zu finden. Für den Übergang hat sie eine Ärztin an der Hand, die sie stundenweise unterstützen wird.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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