Hauch von Bahnhofsmission

Szenekneipe Zottels ist an Heiligabend Treffpunkt für Alleinstehende

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Stammgäste: Renate Richter, Christian Ise und Ralf Rauscher (von links) feiern als Alleinstehende seit vielen Jahren den Heiligen Abend in der Wolfhager Szenekneipe Zottels von Dirk Krüger (rechts).

Wolfhagen. Traditionell ist der Heilige Abend und die beiden folgenden Weihnachtstage das Fest der Familie. Dort wird im trauten Kreis, im Schein der Christbaumkerzen, gefeiert. Doch Dirk Krüger, Gastronom der Wolfhager Szenekneipe Zottels, weiß aus eigener Erfahrung, dass es auch eine andere Seite gibt.

Der Wirt: „Auch in Wolfhagen gibt es jede Menge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Weihnachten allein zu Hause verbringen. Und viele Frauen und Männer haben davor Angst.“ Deshalb öffnet Dirk Krüger seine Gaststätte auch an Heiligabend ab 21 Uhr. „Als ich vor sieben Jahren im Zottels, damals noch am Kornmarkt, dieses Angebot machte, war ich zuerst skeptisch, ob jemand kommen würde. Doch zur späten Stunde war der Gastraum mit über 100 Besuchern rappelvoll. Das setzte sich in den Folgejahren nahtlos fort“, sagt Dirk Krüger.

Vor zwei Jahrenzog das Zottels in die Mittelstraße in kleiner Räumlichkeiten um, und auch hier braucht sich Dirk Krüger über den Mangel an Gästen nicht zu beklagen. „Die Hütte ist jedes Mal brechend voll.“

Weihnachten mit Freunden

Seit sechs Jahren ist der 40-jährige, alleinstehende Christian Ise am 24. Dezember einStammgast. „Nach dem Essen bei meinen Eltern will ich den Tag nicht allein verbringen. Im Zottels finde ich viele Freunde.“ Ähnlich argumentiert auch die zwölf Jahre ältere Renate Richter. „Früher haben wir Weihnachten natürlich in der Familie gefeiert.

Doch seit ich alleinstehend bin und meine beiden Töchter aus dem Haus sind, würde mir zu Hause die Decke auf den Kopf fallen.“ Seit vier Jahren verbringt sie deshalb Heiligabend im Zottels. „Hier haben ich viele Freunde gefunden, ich schätze und genieße das entspannte und gemütliche Zusammensein mit ihnen.“

Auch der 43-Jährige Ralf Rauscher lebt allein. „Nach dem Weihnachtsessen bei meinen Eltern will ich nicht in meiner Wohnung bleiben. Seit es Zottels gibt, verbringe ich den Heiligen Abend bei Dirk Krüger. Um mit Freunden zu schnuddeln, zu darten und heiße Musik zu hören.“ Statt weihnachtlicher Melodien erklingen im Zottels fetzige Rhythmen.

Gastwirt Krüger sagt: „Mich freut es natürlich, dass ich über die drei Weihnachtstage immer ein volles Haus habe. Ein klein wenig fühle ich mich dabei schon für den einen oder anderen Gast als Wolfhager Bahnhofsmission“. (zih)

Quelle: HNA

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