Staden soll Stadt beleben

Wolfhagen will Abenteurer in den Fokus rücken und sucht Darsteller

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Darsteller und Vorbild: Pfarrer Martin Jung (links) wird auch künftig zu besonderen Anlässen in die Rolle des berühmten Wolfhagers Hans Staden schlüpfen, dessen Bronzestatue gerade aufgestellt wurde. Neben Jung: Bürgermeister Schaake.

Wolfhagen. Dass man ihn mal in Wolfhagen derart feiern würde, wird sich Hans Staden kaum vorgestellt haben. 

Schon gar nicht, als er 1553 in Brasilien von Eingeborenen des Stammes der Tupinamba gefangen und verschleppt wurde.

Da nämlich drohten ihm im Rahmen einer rituellen Zeremonie der Tod und das Verspeisen. Dass er nach einem dreiviertel Jahr doch noch unversehrt aus dem Schlamassel herauskam, nach Europa zurückkehrte und in Wolfhagen landete, wo er seine Reiseerinnerungen aufschrieb und als Buch herausbrachte, ließ ihn letztlich zum berühmtesten Sohn der Stadt aufsteigen, der nun Jahrhunderte später auch den Tourismus beflügeln soll.

Die Aktivitäten in Wolfhagen während der vergangenen Monate gehen nun weit über das hinaus, was bislang mit Vorträgen und einer Ausstellung im Regionalmuseum Wolfhager Land, mit dem Benennen einer Straße in der Kernstadt und dem Aufhängen eines Reliefs unterhalb der Burg geleistet wurde. Inzwischen wurde der Hospitalsplatz an der Mittelstraße zu einem Staden-Platz inklusive mannshoher Bronzestatue umgestaltet, ein Staden-Pfad durch die Stadt soll folgen.

Die lebensgroße Statue von Hans Staden steht auf dem Platz vor dem ehemaligen Hospital.

Dazu braucht man spezielle Stadtführer. Anlässlich der Eröffnung des neuen Platzes schlüpfte Pfarrer Martin Jung in die Rolle des Brasilienfahrers. Und das kam offensichtlich so gut an, dass Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) auch künftig auf dessen Mitwirken setzt.

Pfarrer Jung hat der Auftritt als Staden, den in Homberg geborenen Abenteurer, Landsknecht und Autor, der in Wolfhagen als Pulvermacher seinen Lebensunterhalt verdiente, durchaus genossen, gerade weil dieser auch etwas aus dem Rahmen fällt: „Ich sehe in Hans Staden vor allem eine interessante Persönlichkeit, gerade weil er eine ambivalente Figur ist – eine Figur mit den Prägungen und Glaubensvorstellungen seiner Zeit und gleichzeitig abenteuerlustig und neugierig auf Neues und Unbekanntes.“ Und wie Staden das alles zusammenbringe, so Jung weiter, „finde ich spannend für das Spielen seiner Rolle“.

Allerdings, schränkt der 32-Jährige ein, werde er wohl nur zu besonderen Anlässen den Staden-Part übernehmen, schließlich habe er als Pfarrer noch eine Vielzahl anderer Aufgaben. Und so hofft Bürgermeister Schaake, dass sich weitere Interessierte melden, die sich der Aufgabe annehmen werden. Auch die derzeit 18 Stadtführer will er ansprechen.

Wolfhagen habe noch viel vor mit ihrem berühmten Sohn, dem Schreiber der Wahrhaftigen Historia. „Staden soll ein Symbol dieser Stadt werden“, sagte Schaake. Zum Gesamtpaket gehöre, dass man sich um den Titel Hans-Staden-Stadt bemühe. Der Staden-Pfad, der von der Statue zu verschiedenen Stationen in der Alstadt führen und am Regionalmuseum enden soll, ist ein weiteres Projekt, das internationale Dimensionen annehmen soll: Nach Homberg soll Lissabon mit ins Boot, von wo Staden in die Neue Welt startete, ebenso die Kanarischen Inseln und schließlich der Endpunkt des Weges ein Platz in Brasilien, wo Staden eine Berühmtheit ist.

Quelle: HNA

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