Initiative möchte Wohnform entwickeln, in der Menschen unterschiedlichen Alters zusammenleben

Wolfhager Bauvorhaben bringt Generationen zusammen

Wolfhagen. Wohnen mit mehreren Generationen unter einem Dach – dieses Ziel verfolgt eine Initiative aus Wolfhagen. Mit ihrer Idee verbindet die Gruppe ein stärkeres soziales Miteinander sowie den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität im Alter und für Familien.

Im künftigen Baugebiet an der Kurfürstenstraße will sie ein Haus errichten, dessen Wohnraum sich 20 Personen teilen. Im Kreis Kassel wäre dieser Plan einzigartig. Harald Kühlborn, Sprecher der Kreisverwaltung, weiß lediglich von Mehrgenerationenprojekten als Treffpunkt für Veranstaltungen. Die Finanzierung soll sich auf Eigenkapital, Darlehen, Fördermittel und Sponsoren stützen, sagt Initiator Friedrich Vollbracht. Wer sich in das Haus einmieten möchte, tritt einer Genossenschaft bei, die als Bauherrin auftritt und noch zu gründen ist. Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake findet die Idee gut, „sie greift die gesellschaftlichen Veränderungen auf“. Statt Individualisierung und Vereinsamung im Alter fänden bei diesem Konzept viele Generationen zusammen – sozusagen ein Ersatz für die Großfamilie, die es auch auf dem Land immer weniger gibt.

 Auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern soll das Gebäude am Stadtrand von Wolfhagen errichtet werden. Die Stadtverordnetenversammlung hat für das komplette, 28 000 Quadratmeter große Areal einen Aufstellungsbeschluss gefasst, an einem Bebauungsplan für weitere Einfamilienhäuser und Dienstleister werde derzeit gearbeitet, sagt Schaake. Ehe Friedrich Vollbracht und seine Mitstreiter ihren Traum verwirklichen können, müssen sie eine Hürde nehmen. Sechs Personen haben bislang erklärt, das Genossenschaftsmodell zu unterstützen und eine der 20 Wohneinheiten zu mieten. Das reicht aber noch nicht, sagt Elke Müldner, die ebenfalls zur Initiative zählt und auf regen Zulauf hofft.

Den Stein ins Rollen brachte Friedrich Vollbracht. „Die kommunikationsfeindliche Lebensstruktur ist für mich im Alter nicht sehr verlockend“, sagt der Ippinghäuser, der in jungen Jahren eine Ausbildung zum Hospizhelfer absolvierte und heute die Revierförsterei Wolfhagen leitet. Er und seine Mitstreiter sehen in der älterwerdenden Gesellschaft eine Gefahr der Vereinsamung. Es fehlt ihnen an barrierefreiem Wohnraum. Sie beklagen einen Mangel an Unterstützung im Alltag für Familien und Alleinerziehende – die traditionellen Strukturen brechen weg. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas Neues zu kreieren“, sagt Elke Müldner, der das Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters verlockend erscheint und ebenfalls mitmacht.

So ähnlich könnte es aussehen: Der Architekt Christoph Harney hat ein erstes Modell für das Mehrgenerationenhaus erstellt. Foto: Privat

In Kassel hat sich die Initiative Projekte angesehen, in denen Teile ihrer Idee umgesetzt sind. Der Kasseler Architekt Christoph Harney hat einen ersten Entwurf für ein Gebäude erstellt. Neben den privaten Wohnungen mit Balkon oder Terrasse soll es Gemeinschaftsräume, eine Wohnküche, Werkstatt und Garten geben. Ebenfalls in der Planung enthalten sind ein Raum, der von einer Pflegekraft genutzt werden kann und eine Gästewohnung. Die Anschaffung von (Elektro-)Fahrzeugen, die vom selbsterzeugten Strom aufgeladen und gemeinsam genutzt werden, ist ebenso anvisiert wie die Installation einer Fotovoltaikanlage und das Heizen über eine Wärmepumpe. „Wenn alles gut läuft, könnte das Haus im Jahr 2020 stehen“, sagt Vollbracht, der weiß, dass auf dem Weg dorthin noch einiges zu tun ist.

So müsse die Stadt ihnen eine Kaufoption auf das künftige Baugrundstück an der Kurfürstenstraße geben. Darüber hinaus muss sich die Initiative einen Termin setzen, bis zu dem eine festgelegte Anzahl an verbindlichen Zusagen für eine Beteiligung an der zu gründenden Genossenschaft vorliegt. „Das kann keine Geschichte ohne Ende werden“, sagt Vollbracht. Viele Menschen hätten Interesse signalisiert an dem alternativen Wohnprojekt. Allerdings sei der Schritt, tatsächlich mitzumachen, ein ziemlich großer, sagt Müldner, vermutlich auch deshalb, weil sich die Beteiligten dann auch finanziell einbringen müssen. Eine exakte Investitionssumme steht noch nicht fest.

Bewusst habe sich die Initiative für eine Genossenschaft entschieden, die als Bauherrin auftritt. Die Mieter erwerben Genossenschaftsanteile, die sich an der Größe ihrer Wohnfläche orientieren, aber auch die Gemeinschaftsflächen berücksichtigen. Eigentumswohnungen seien deshalb ungeeignet, weil bei einem Bewohnerwechsel sich derjenige einkauft, der den höchsten Preis zahlen könne, für den der Aspekt der Gemeinschaft aber keine Rolle spielt.

Quelle: HNA

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