Dr. Werner Prinz hat 4000 Babys auf die Welt geholfen

Wolfhager Frauenarzt nach 33 Jahren im Ruhestand

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Von den Kollegen im Wolfhager Krankenhaus verabschiedet: Dr. Werner Prinz. Blumen gab es für ihn und Ehefrau Dr. Ingeborg Eick-Prinz. Das Beste für die Zukunft wünschten ihm (von links) Gynäkologin Dr. Julia Jungermann, Betriebsrätin Aline-Britt Westphal, Chefarzt der Anästhesie Dr. Uwe Hecht, GNH-Geschäftsführer Bernd Tilenius und Gynäkologin Dr. Marion Reif-Kaiser.

Wolfhagen. Sein Leben wird künftig ein anderes sein. Nach 33 Jahren Berufsjahren in Wolfhagen hat sich der Gynäkologe Dr. Werner Prinz (67) in den Ruhestand verabschiedet.

Noch ist er dabei, sich auf das neue Lebensgefühl einzulassen. Freizeit statt Arbeit und Stress – das müsse sich in den kommenden Wochen erst sortieren, sagt Prinz und lächelt zuversichtlich.

Bei Wanderungen mit seiner Frau Inge wolle er die heimische Natur wieder bewusster wahrnehmen, sich vermehrt mit einem Buch in den Garten zurückziehen und seinem Hobby, dem Fotografieren, wieder die Aufmerksamkeit schenken, die es in seinen Augen verdient. Für all das fehlten dem beliebten und engagierten Frauenarzt in den vergangenen Jahren Raum und Muße. Seine Arbeitsjahre waren ausgefüllt mit der medizinischen Betreuungen seiner Patientinnen. Etwa 4000 Babys hat er auf die Welt geholfen – bis zu dem Zeitpunkt, als die Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfhagen vor drei Jahren aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen heraus geschlossen wurde. Eine Entscheidung, mit der sich Prinz auch heute noch nicht anfreunden kann.

Nach seinem Studium an der Medizinisch Naturwissenschaftlichen Hochschule Ulm und einem Job an der dortigen Universitätsfrauenklinik wechselte Dr. Werner Prinz im Oktober 1983 als niedergelassener Gynäkologe nach Wolfhagen. Die kombinierte Arbeit in Praxis und Klinik, an der es damals 23 Belegbetten gab, reizte ihn. „Ich konnte ambulant und stationär arbeiten, operieren und Geburtshilfe machen. Und etwas Psychosomatik war auch noch dabei“, sagt er zurückblickend.

Zugleich sah er sich zu Beginn seiner Tätigkeit in Wolfhagen aber auch einer gewissen Unsicherheit gegenüber. „In Ulm hatten wir jährlich 3000 Geburten, in Wolfhagen waren es zunächst 200“, erinnert sich der gebürtige Gelsenkirchener. Seine Sorge um die Entwicklung der Klinik Am kleinen Ofenberg wich schließlich dem Gefühl, etwas aufbauen zu können.

Und das tat er: In den 1990-er Jahren etablierte er das Notarztsystem im Altkreis Wolfhagen. „Als wir das noch nicht hatten, rückte bei lebensbedrohlichen Notfällen in der Regel der Hausarzt aus“, sagt Prinz. Zu einem großen Anteil ist es auch seinem Einsatz zu verdanken, dass an der Kreisklinik ein Notarztfahrzeug stationiert ist. 1999 gründete er mit Kollegen das Ärztenetz Wolfhager Land – ein Verein, der sich für die medizinische Versorgung der Menschen in der Region einsetzt. Bis heute bekleidet er diverse Funktionen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen.

Stünde der 67-Jährige noch einmal vor seiner Berufsentscheidung, „ich würde es wieder tun. Es ist eine schöne Tätigkeit“. Sein Ärztesitz geht nach Hofgeismar. Er habe sich bemüht, einen Facharzt nach Wolfhagen zu holen, habe Universitäten und Krankenhäuser im Umfeld kontaktiert. „Aber es wollte niemand hier her.“

Quelle: HNA

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