Wolfhager gedachten ermordeter Juden - Tafeln an Gebäude angebracht

Nachkommen von Max Rosenstein, der bis 1937 in Wolfhagen lebte: Enkelin Nadine Rosenstein, Sohn Alfred Rosenstein und Enkel Raphael Rosenstein. Am Montag wurden die beiden Tafeln mit einer Liste jüdischer Personen, die im Haus an der Burgstraße 23 lebten, während einer Gedenkveranstaltung enthüllt. Foto: Thon

Wolfhagen. Der „Arbeitskreis 9. November“ hatte in den Kulturladen eingeladen, um am Jahrestag der Reichspogromnacht der deportierten und ermordeten Juden zu gedenken.

Für Alfred Rosenstein war es am Montagabend ein bewegender Moment: Am ehemaligen Wohnhaus seines Vaters Max Rosenstein an der Burgstraße 23 in Wolfhagen wurden die Tafeln enthüllt, mit denen die Stadt an die jüdischen Familien erinnert, die einst in Wolfhagen lebten und Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurden.

Alfred Rosenstein ist in Warburg zu Hause. Es war sein erster Besuch in der Stadt, bei dem er als Sohn des Juden Max Rosenstein in Wolfhagen seine Identität öffentlich machte und die traurige Geschichte seiner Familie mit den Wolfhagern teilte.

Am Montag waren er und seine Familie zu Gast im Kulturladen. Dorthin hatte der „Arbeitskreis 9. November“ eingeladen, um am Jahrestag der Reichspogromnacht der deportierten und ermordeten Juden zu gedenken. Ernst Klein vom Arbeitskreis „Rückblende - Gegen das Vergessen“ hatte im Vorfeld mehr als ein Jahr lang die Geschichte der Familie Rosenstein recherchiert und Erschütterndes, vor allem über den Tod von Familienmitgliedern im Vernichtungslager Auschwitz, herausgefunden. Bereits seit dem 18. Jahrhundert war die Familie in der Region ansässig, im Jahr 1904 zogen Bärmann und Sara Rosenstein von Niedenstein nach Wolfhagen und kauften das Haus an der Burgstraße 23. Ab 1906 bekam das Paar mehrere Kinder - unter ihnen auch Max, Vater von Alfred Rosenstein.

Viehhändler Max Rosenstein und seine Frau Grete lebten bis 1937 in Wolfhagen. In den letzten Jahren waren sie wiederholt Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. So wurde Max Rosenstein umgekehrt auf einen Ochsen gesetzt und zum Gespött der Wolfhager durch die Stadt getrieben. Die Judenfeindlichkeit war enorm. Das spiegelt sich im Ergebnis der Reichstagswahl 1933 wieder: 72,5 Prozent der Wolfhager gaben den Nationalsozialisten ihre Stimme (in Deutschland erreichten die Nazis 43,9 Prozent). Die Stadt bedrängte die Rosensteins, ihr Haus zu verkaufen. Sie gaben nach und zogen nach Warburg.

Im Winter 1943 wurde die Familie Rosenstein nach Auschwitz deportiert. Als der Zug im Vernichtungslager hielt, stand Max Rosenstein mit seinem jüngsten Sohn, dem anderthalbjährigen Denny, in einer Gruppe Männer. Als SS-Mann Heinrich Kühnemann das Kind sah, schrie er den Vater an, ob er nicht verstanden habe, dass Kinder zu den Müttern sollten. Max Rosenstein verwies darauf, dass seine Frau bereits vier Kinder bei sich habe. Der SS-Mann entriss den Jungen dem Vater, holte aus und zerschmetterte den Schädel des Kindes am nächsten Masten. Auch die übrigen vier Kinder und seine Ehefrau überlebten Auschwitz nicht.

Max Rosenstein kehrte nach der Befreiung nach Warburg zurück und heiratete erneut. Das Ehepaar bekam zwei Söhne, sie erhielten die gleichen Namen wie zwei seiner ermordeten Kinder: Alfred und Herbert. Max Rosenstein starb 1950, er wurde 44 Jahre.

Quelle: HNA

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