Die Parade der Gipfel

Wolfhager genießt am Stöckeberg den Blick über die Heimat

Burkhard Finke

Wolfhagen. Am Horizont eine Parade der Gipfel und Landrücken. Graner Berg, Gotzenberg, Isthaberg, Hundsberg, Rohrberg, Bärenberg, Escheberg bis hin zum Kleinen und Großen Gudenberg. Alle haben sie sich vorm sommerblauen Himmel aufgestellt und wecken Heimatgefühle.

Dieser Anblick ist es, der Burkhard Finke regelmäßig hinauf zum Stöckeberg führt.

Die grüne Bank am Waldrand, auf der er sich gern niederlässt, um den Blick über die Höhenzüge schweifen zu lassen, ist nicht immer frei. Einige Spaziergänger drehen hier oben ihre Runden, schütteln den Alltagsstress ab und halten auf der kleinen Anhöhe inne. Verliebte Paare wissen den friedlichen Platz ebenfalls zu schätzen.

„Von hier aus sehe ich alles, was mir wichtig ist“, sagt der 51-Jährige. Die Heimatstadt Wolfhagen, das Haus, in dem er mit seiner Familie lebt, die Landschaft, in der er aufgewachsen ist, die Schule, in die er als Kind gegangen ist. Zu vielen Punkten, an denen der Blick hängen bleibt, kann Burkhard Finke etwas erzählen. Wie viele Wolfhager kennt auch er die alte Geschichte, die über die letzte Hinrichtung am Gotzenberg erzählt wird und weiß von Emanuel Geibels spätromantischen Beitrag am Escheberg, wo dieser das beliebte Gedicht „Der Mai ist gekommen“ verfasste.

Aber auch die jüngsten Veränderungen lassen sich von der Bank am Stöckeberg aus in der Landschaft lesen. Der Bärenberg ist gezeichnet von den Narben, die Sturm Kyrill ihm zugefügt hat, als er die Fichten wie Streichhölzer einfach umknickte. Der hohe Mast auf dem Rödeser Berg kündigt an, dass dort schon bald Windräder in den Himmel emporragen werden. Bei Istha treibt der Wind bereits seit 20 Jahren die Rotoren an und liefert sauberen Strom. Ein bisschen stolz ist der Kommunalpolitiker auch auf das Solarfeld bei Gasterfeld. Das macht sich in der Landschaft zwar ganz schön breit, fällt aber dennoch kaum auf. Seine lila Farbe erinnert eher an ein blühendes Leinenfeld. „Auf alle Fälle ist es mir lieber als Strom aus Atomkraftwerken.“

Draußen in der Natur bleibt Finkes Handy still. Seine ansonsten ständige Erreichbarkeit verliert hier ihre einengende Kontrolle. Stattdessen macht sich Ruhe breit, Grillen zirpen im Gras und die Luft riecht nach reifen Früchten, schon ein bisschen herbstlich. „Irgendwann geht dann der Blick über die unangenehmen Details des Lebens hinweg“, nennt er einen Grund für seine Wanderungen zum Stöckeberg. Die Probleme des Alltags werden kleiner, und das im Leben Wichtige tritt hervor.

Quelle: HNA

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