Aberkennung des Ehrenbriefs ist nicht vorgesehen

Fürs Revers: Zum Ehrenbrief gibt es eine Anstecknadel.

Wolfhager Land. Beim Landkreis Kassel und beim Land Hessen ist man fest entschlossen, der wegen des Verkaufs von Schriften des Hitler-Verehrers Hans Grimm kritisierten Buchhändlerin Margret Nickel aus Wahlsburg-Lippoldsberg den Ehrenbrief des Landes abzuerkennen. Doch es gibt ein Problem.

Doch jetzt ist ein Problem aufgetaucht: In dem entsprecenden Erlass des Landes aus dem Jahr 1973 sind zwar die Voraussetzungen für die Verleihung der Auszeichnung geregelt, nicht aber die Voraussetzungen und das Procedere für eine Aberkennung.

In Wiesbaden rechnete man offenbar nicht damit, dass es jemals dazu kommen würde. „Tatsächlich wurde bis heute noch kein Ehrenbrief wieder aberkannt“, sagte Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, gegenüber der HNA. Seit 1998 entscheidet nicht mehr das Land über die Verleihung der staatlichen Auszeichnung, sondern die Landräte und Oberbürgermeister, in deren Zuständigkeitsbereich die zu Ehrenden wohnen.

Lösungssuche

Im Fall von Margret Nickel suchen Land und Landkreis nun gemeinsam nach einer Lösung, „die rechtlich trägt“ (Kühlborn). Will heißen: Unter allen Umständen soll vermieden werden, dass die Buchhändlerin den Ehrenbrief am Ende doch behalten kann. Die Urkunde und die Anstecknadel mit dem Hessenlöwen kann der Landkreis ohnehin nicht einfach einkassieren. „Beides geht in das Eigentum des Geehrten über“, sagt der Kreissprecher.

Im Altkreis Wolfhagen werden Ehrenbriefe des Landes Hessen ohnehin eher selten verliehen. „In den fünf Jahren meiner Amtszeit habe ich nur einen Brief verliehen. Wir handhaben das nicht inflationär“, so Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable. Öfter verleihe man die Ehrenbürgerschaft und einmal im Jahr den Bürgerpeis.

Sieben Jahre keinen Brief

Auch in Bad Emstal werden verdiente Bürger eher mit lokalen Abzeichen und Nadeln geehrt. Der letzte Ehrenbrief wurde im Jahr 2005 verliehen. In Zierenberg gibt es den Landesehrenbrief im Durchschnitt alle zwei Jahre, in Breuna ebenfalls. Lediglich Wolfhagen und Habichtswald verleihen mindestens einmal im Jahr den Landesehrenbrief.

Dank für Einsatz: Mit dieser Urkunde würdigt das Land ein mindestens zwölfjähriges ehrenamtliches Engagement.

Widerstand gegen die Absicht, einen engagierten Bürger mit der nicht dotiertenAuszeichnung zu ehren, hat es im Altkreis Wolfhagen bisher nicht gegeben. Zumindest kann man sich in den Rathäusern nicht daran erinnern.

Auch im Kreishaus weiß man nur von wenigen Fällen. „In den vergangenen zehn Jahren hat man uns zweimal abgeraten, den Ehrenbrief zu verleihen“, so der Sprecher. Schnell gelöst werden könnte der Fall Nickel nach gegenwärtigem Stand nur durch eine einvernehmliche Lösung zwischen der Lippoldsberger Buchhändlerin und der Kreisverwaltung.

Doch eine solche Lösung ist nicht in Sicht: Margret Nickel sieht überhaupt keinen Grund, ihren Ehrenbrief freiwillig zurückzugeben.

Quelle: HNA

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