Andrea Froneck-Kramer ist bei einer Ausstellung in der Bonifatius-Kirche mit dabei

Wolkenbilder und Brotkoffer

Die Künstler der Ausstellung in der Bonifatius Kirche in Kassel: Mit dabei ist die Waßmuthshäuserin Andrea Froneck-Kramer (zweite vorn links). Foto: Mangold

Kassel/Wassmuthshausen. Fernseher in der Kirche, ein Kunstwerk auf dem Tisch des Herrn, ein Koffer aus Brot neben dem Weihwasser – zu einer ungewöhnlichen Kunstausstellung mit dem Namen „Freitag 17.“ lädt die St. Bonifatius Kirchengemeinde zusammen mit der Katholischen Hochschulgemeinde in Kassel ein.

Fünf Künstler, darunter Andrea Froneck-Kramer aus Waßmuthshausen, mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln stellen ihre Werke in der St. Bonifatius Kirche aus.

„Ich lade Sie ein, ein Stück Blau mit nach Hause zu nehmen“, sagte Künstlerin Andrea Nehring bei der Ausstellungseröffnung im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen. Sie schuf aus Wolkenbildern „Das blaue Fenster“, das aus 1000 dünnen bedruckten Papierbögen besteht und auf dem Altar der Kirche ausgestellt ist. Die Besucher der Ausstellung dürfen sich ein Exemplar mit nach Hause nehmen.

Der direkte Bezug zu den Besuchern, die Kommunikation zwischen Kunstwerk, Künstler und Betrachter ist gewollt. „Es ist mehr als eine Ausstellung, es ist der Versuch, dass Künstler mit ihrer Arbeit in Kommunikation treten mit Gläubigen“, erklärte Wolfgang Spiegel, Pastoralreferent der Katholischen Hochschulgemeinde.

Von Menschen und Kunst

Spannung entfaltet sich zwischen dem Ausstellungsraum und dem Werk der türkischen Künstlerin Mehtap Baydu, das Männer beim islamischen Freitagsgebet zeigt. Der ungewöhnliche Ausstellungsort gefällt der Künstlerin: „Wo der Mensch ist, soll auch die Kunst sein“, sagte sie. Ihre Skulptur, ein Koffer aus Brot, versteht sie als Zeichen der Globalisierung, in der Menschen flexibel auf die Anforderungen in der Arbeitswelt reagieren müssen.

Das Werk erinnert an die türkischen Gastarbeiter, die vor 50 Jahren mit einem Koffer nach Deutschland kamen, um ihr tägliches Brot zu verdienen.

Dass Familie aus Kommunikation und Emotion besteht, zeigt die Wandinstallation von Andrea Froneck-Kramer „Geigen fällt aus“. 900 knappe Botschaften auf bunten Notizzetteln geben Einblick in die Geschichten des Lebens.

Die Videoinstallationen von Carola Keitel und Jian He laden den Besucher zum Verweilen ein. Ein Hemd aus Reispapier des chinesischen Künstlers, das neben den Beichtstühlen schwebt, und eine Klanginstallation mit religiösem Bezug von Carola Keitel regen zum Nachdenken an. „Die Arbeiten verweisen alle auf für uns Menschen Wesenhaftes“, erklärte Spiegel. „Die Kraft, mit der sie dies tun, ist so direkt und eindringlich, entziehen kann man sich dem kaum.“ • Öffnungszeiten: bis 3. Juli, täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr. Näheres bei Wolfgang Spiegel unter Tel. 0170-5786118.

Quelle: HNA

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