Amt für Straßen- und Verkehrswesen Kassel schraubte Schilder ab – Voraussetzung fehlt

Sie wollen ihr Tempolimit

Kein Abbau der Schilder: Die Einwohner von Gilsa fordern, dass die Tempo-30-Zone in der Hauptstraße des Dorfes erhalten bleibt. Offensichtlich vergeblich, denn gestern baute das Amt für Straßen- und Verkehrswesen die Schilder ab. Foto: Schmitt

Gilsa. „Das ist ja eine Turbo-Verwaltung“, wunderte sich gestern Neuentals Bürgermeister Kai Knöpper. Der Grund: Gestern gegen 8 Uhr wurden die Tempo-30-Schilder in der Ortslage von Gilsa abgeschraubt. Obwohl dazu bis zum 29. März Zeit gewesen wäre, wie Landrat Frank-Martin Neupärtl den Einwohnern Gilsas am Dienstag versicherte.

Auf Unverständnis stieß die Anordnung des Regierungspräsidiums in Kassel, die seit sechs Jahren bestehende Geschwindigkeitsbeschränkung in der Ortsdurchfahrt aufzuheben. Denn nach Ansicht der Einwohner Gilsas habe sich das Tempolimit bewährt. Ortsbeirat, Bürgermeister und Landrat lehnten deshalb im Herbst vergangenen Jahres die Bitte des Regierungspräsidiums ab.

Dieses hatte die Beschwerde eines Autofahrers, der in der Ortslage geblitzt worden war, aufgenommen, mit der Folge, dass das seit 2005 bestehende Tempolimit kippte. Die Begründung: Die rechtlichen Voraussetzungen für die Beschränkung seien nicht gegeben.

„Niemand im Raum versteht die Anordnung des Regierungspräsidiums.“

Landrat Frank-Martin Neupärtl

Für Landrat Neupärtl, Bürgermeister Knöpper und die Einwohner Gilsas ist dies nicht nachvollziehbar. Vor allem, weil sich für die Geschwindigkeitsbeschränkung das Dorf vor zehn Jahren insgesamt stark gemacht hatte. Nachdem Mitte der 90er-Jahre die A 49 bis Bischhausen frei gegeben wurden, nutzten die Autofahrer die Ortsdurchfahrt von Gilsa als Verbindungsstrecke zwischen der Autobahn und der B 3.

Zum Schutz der Menschen wurde zunächst Tempo-30 an der Bushaltestelle eingeführt und am Reiterhof mit Schildern auf die Gefahren hingewiesen. Das reichte den Einwohnern von Gilsa nicht. Sie wollten Tempo-30 in der kompletten Ortsdurchfahrt.

Weil dies über das Verkehrsaufkommen nicht zu rechtfertigen war, wurden in Gilsa Unterschriften gesammelt und eine Petition im Landtag hatte schließlich Erfolg. Das Hessische Verkehrsministerium gab seine Haltung auf, und ordnete ein Tempolimit an, allerdings befristet bis zum Weiterbau der A49.

An diesen Grundlagen hat sich nach Auffassung der Einwohner von Gilsa nichts geändert. Die Geschwindigkeitsbeschränkung habe sich bewährt. Deshalb sollte sie aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall aufgehoben werden.

Und weil die „Anordnung hier im Raum niemand versteht“, wie Landrat Neupärtl sagte, wolle er schriftlich dagegen protestieren. Auch bei der Gemeinde überlege man, entsprechend zu reagieren, kündigte Knöpper an. Pragmatisch die Überlegung einer Frau, die vorschlug, einfach die Autos auf der Straße zu parken, und nur so viel Platz zu lassen, dass nur ein Auto durchfahren könne.

Von Rainer Schmitt

Quelle: HNA

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