HNA-Interview: Yogalehrerin Heidrun Brandt über die Wirkung für Kinder

Yoga für die Konzentration

Körper und die Seele stärken: Deborah Harle, Yoga-Lehrerin Heidrun Brandt und Malte Seifert beim Kinderyoga in der Gemeinde Knüllwald. Sei bereiten sich die Figur der Schildkröte vor. Foto: Thiery

Knüllwald. Yoga erlebt zurzeit einen Boom. Auch im Landkreis steigen viele auf die Matte. Die positiven Auswirkungen der Körperübungen, Meditationen und Entspannungstechniken können auch für Kinder gut sein und sie in ihrer Entwicklung fördern. Es gibt eigens dafür Kinderyoga-Kurse, die auf die speziellen Bedürfnisse eingehen.

Wir sprachen darüber mit Heidrun Brandt, Yogalehrerin, die sich im Kinderyoga weitergebildet hat und seit drei Jahren Knüllwälder Kindern einmal im Monat solche Kurse anbietet.

Frau Brandt, Yoga schon für Kinder? Ist das nicht etwas übertrieben?

Heidrun Brandt: Das würde ich auf keinen Fall sagen. Gerade in unserer Zeit leiden doch so viele Kinder an Bewegungsmangel, viele hocken zu oft am Computer. Yoga hilft beweglich und flexibel zu bleiben. Darüber hinaus fördert es körperliche Kraft und natürlich die Aufmerksamkeit und Konzentration. Viele Lehrer bemängeln Defizite in diesen Bereichen.

Was wirkt sich denn beim Yoga so gut auf die Konzentration aus?

Brandt: Im Yoga lernen die Kinder in Phantasiereisen die Gedanken zu lenken. Wir haben immer ein Thema, etwa eine Reise an den Strand, das regt die Phantasie an und bringt die Konzentration auf einen Punkt. Auch bei den Körperübungen lernen die Kinder in Ruhe, ihre Aufmerksamkeit zu lenken, und es gibt auch kleine Atemübungen. Darüberhinaus werden die Sinne angeregt. Das Fühlen und Wahrnehmen wird gestärkt in den Phantasiereisen, etwa bei der Vorstellung vom Sand auf der Haut. Auch das stärkt die Aufmerksamkeit und ist etwas ganz anderes als der Konsum, dem Kinder mit Fernsehen und Computer ausgesetzt werden.

Wodurch unterscheidet sich Yoga für Kinder von den positiven Wirkungen des Sports?

Brandt: Im Yoga ist der stille Teil stärker im Fokus. Im Grunde ist das richtig, auchnormaler Sport hat gute positive Auswirkungen auf die Beweglichkeit und das Gruppengefühl. Aber die Ruhe in den Entspannungsübungen und auch beim körperlichen Teil, den Yogastellungen, wirkt noch einmal anders. Die Kinder lernen aufmerksam in sich selbst hinein zu spüren. Dazu kommt der ethische Aspekt. Es gibt kleine Regeln, wie den Anderen im Yoga zu achten und nicht auszulachen. Disziplin spielt also auch eine Rolle.

Was melden Ihnen denn die Kinder so zurück? Was mögen sie besonders?

Brandt: Viele kommen immer wieder in den Kurs, das allein ist für mich schon wichtig. Es scheint ihnen Spaß zu machen. Sie haben Freude an den Bewegungen und einige sagen sogar, dass sie die Entspannung toll finden. Andere lieben die Phantasiereisen oder finden es spannend, wenn sie zeigen können, welche Übungen sie besonders gut können. Das stärkt das Selbstbewusstsein.

Wie unterscheidet sich denn Kinderyoga vom Yoga für Erwachsene?

Brandt: Das ist natürlich alles viel spielerischer, aber trotzdem ähnlich. Erst machen wir uns locker mit kleinen Übungen und dann gibt es eine Entspannungsphase. Wir wählen immer ein anderes Thema, Ausflüge an den Strand, in den Zoo, den Dschungel oder auf den Bauernhof. Dort trifft man auf die Tiere, die man mit den Körperübungen nachmacht, wie die Kobra, den Hund oder den Frosch. Mit diesen Assoziationen sind ja auch die normalen Yogastellungen verknüpft, im Kinderyoga gibt es noch ein paar Abwandlungen. Am Schluss folgt die längere Endentspannung, sie wird auch eher spielerisch angeleitet.

Das soll sich ja auch positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirken, können auch hyperaktive Kinder profitieren?

Brandt: Gerade bei hyperaktiven Kindern gilt das. Sie können beim regelmäßigen Üben einen besseren Zugang zu ihrem Körper bekommen und zur Ruhe kommen. Aber auch bei anderen Kindern werden Körperbewusstsein, Respekt und Disziplin und vielleicht ein besserer Umgang mit Ernährung gefördert.

Kann man das auch zum konzentrierten Lernen in der Schule nutzen?

Brandt: Ich habe schon in einer Schule im Landkreis Lehrern und Erziehern ein paar Übungen beigebracht, die sie mit den Kindern machen können und helfen sich zu konzentrieren oder zu beruhigen, speziell vor Klassenarbeiten.

Was muss man im Kinderyoga besonders beachten?

Brandt: Es kommt immer auf das Alter der Kinder an, Theoretisch kann man schon ab drei damit beginnen; einige Übungen sollte man erst im bestimmten Alter machen, entsprechend der körperlichen Entwicklung. Hauptsache alles ist spielerisch und es werden die Regeln im Yoga beachtet, nie über seine Fähigkeiten hinaus zu gehen, um Verletzungen zu vermeiden.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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