Immer mehr Bauern stellen auf Öko-Landwirtschaft um

Die Zahl der Bio-Betriebe steigt im Wolfhager Land

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Fehlt in der Region: Bio-Gemüse aus regionalem Anbau. 

Wolfhager land. Die Zahl der ökologischen Betriebe im Landkreis Kassel steigt stetig: Seit Jahresbeginn haben gleich zehn neue Höfe das Bio-Label erhalten.

Damit bewirtschaften jetzt 95 von 1213 Betrieben im Landkreis eine Fläche von 3774 Hektar ökologisch. Im Jahr 2016 waren es noch 77 Betriebe, 2017 stieg die Zahl auf 85. Diese Zahlen teilte jetzt Kreissprecher Harald Kühlborn mit. Angesichts des mehrjährigen Umstellungsprozesses, der mit finanziellen Einbußen verbunden sei, eine bemerkenswerte Entwicklung, freut sich Silke Flörke, Koordinatorin der Ökolandbau Modellregion Nordhessen. „Seit rund zwei Jahren hat das Interesse der Landwirte an einer Umstellung enorm zugenommen“, bestätigt auch Reinhard Schmidt, Umstellungsberater des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen mit Büro in Kassel.

Trotz des wachsenden Interesses von Landwirten, ihren Betrieb umzustellen, könnten sie den Bedarf der Bevölkerung nach Bio-Produkten derzeit nicht befriedigen. Vieles müsse durch Importe in die Region geschafft werden, sagt Flörke. Deshalb fördert das hessische Landwirtschaftsministerium die Landkreise Kassel und Werra-Meißner, die in einer gemeinsamen Modellregion Nordhessen zusammengefasst sind. Seit 2015 werden damit der Anbau, die Verarbeitung und der Vertrieb von Bio-Lebensmittel angekurbelt.

Unterstützt wird das Konzept auch vom Kreisbauernverband, der seinen Mitgliedern Hilfe bei der Neuausrichtung gibt. Einfach dürfe man sich die Umstellung eines konventionellen Betriebes auf ökologische Landwirtschaft nicht vorstellen, erklärt Johannes Gerhold vom Bauernverband. Bis man das Biolabel einsetzen dürfe, gingen bis zu drei Jahre ins Land. „Das ist eine Durststrecke, die finanziellen Spielraum erfordert.“ Auch der Standort sei entscheidend. „Im Speckgürtel von Kassel gibt es mehr Kunden für Bio als in dörflichen Regionen“, so Gerhold.

Gemüse für die Region

Es soll mehr regionale Produkte aus ökologischer Landwirtschaft im Landkreis Kassel geben und damit auch neue Arbeitsplätze. Daran arbeitet Silke Flörke, Koordinatorin der Ökolandbau Modellregion Hessen.

„Derzeit sind wir dabei Großküchen und Kantinen in und um Kassel für frische regionale Salate zu gewinnen. Diese Pilot-Kantinen wollen wir noch in diesem Jahr mit Biosalaten beliefern“, so Flörke. Damit startet ein Projekt, mit dem eine regionale Wertschöpfungskette im Bereich Biogemüse aufgebaut werden soll. Daran beteiligt sich die Ökomodellregion als Vernetzungspartner. „In Nordhessen wird derzeit sehr wenig Biogemüse angebaut und größere Abnehmer können daher bislang nicht mit regionalen Biogemüseerzeugnissen bedient werden.“

Das soll sich jetzt ändern. Angedacht ist der Aufbau eines Vertriebnetzes und die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Inklusion ist einer der Schwerpunkte dieses Projektes, an dem auch Hephata beteiligt ist. Unterstützung gibt es dabei durch ein neues Förderinstrument der Europäischen Union (EU), bei dem es um die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität und Nachhaltigkeit geht.

Regionalforum in Kassel

Ein Regionalforum „Kantine sucht Region?!“ findet am 7. März, von 13.30 bis 17.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses der Stadt Kassel statt. Unter dem Motto „Nordhessisches (Bio)-Fleisch vom Hof auf den Teller“ soll erreicht werden, dass mehr regionales (Bio)-Fleisch in Gemeinschaftsverpflegungen verarbeitet wird. Eingeladen sind Erzeuger, Verarbeiter, Händler, Gastronomen, die Verantwortlichen von Gemeinschaftskantinen und alle Interessierten. Kooperationspartner sind die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen, der Kreisbauernverband, die Fleischerinnung sowie die Vereine Essbare Stadt und NAHhaft.

Weitere Veranstaltungen sind das ganze Jahr über geplant. Mehr Infos unter

http://zu.hna.de/modellregion

Quelle: HNA

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