Immer mehr junge Menschen im Landkreis landen in der Schuldenfalle

Zahl der Verschuldeten im Landkreis steigt an

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Symbolbild

Schwalm-Eder. Immer mehr Menschen im Landkreis sind verschuldet.

Das belegt die Zahl der Menschen im Schwalm-Eder-Kreis, die sich an die Schuldenberatung wenden. Seit dem vergangenen Jahr habe es einen deutlichen Anstieg gegeben, sagt Anke Hensel von der Verbraucherzentrale Hessen in Borken. 2016 zählten die Verbraucherzentrale (VZH) und Awo-Schuldnerberatung insgesamt 482 Fälle. Derzeit sind es bereits in der VZH mit Kurzberatungen 523 Fälle.

Bei mehr als 75 Prozent dieser Fälle handele es sich um Menschen, die kurz vor einer Privatinsolvenz stünden, sagt Hensel. Besonders angestiegen sei die Zahl der tatsächlichen Insolvenzfälle, die bis zur Antragstellung betreut werden. „Im vorigen Jahr waren es 17 Fälle und in diesem Jahr bereits 31“, erklärt die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale.

Aus der Jahresstatistik der Awo-Schuldnerberatung geht hervor, dass die meisten Schuldner im Landkreis in Schwalmstadt und Homberg leben. Die Gründe für eine Privatinsolvenz seien dabei fast immer dieselben. Meist spielten Arbeitslosigkeit und Krankheit eine große Rolle.

Verändert habe sich allerdings das Durchschnittsalter der Hilfesuchenden, sagt Anke Hensel. Waren es vor einigen Jahren noch hauptsächlich 30- bis 40-jährige Schuldner, so seien es heute weitaus mehr Menschen, die kurz vor Renteneintritt stehen. Die Angst, sich mit einer niedrigen Rente zu verschulden, sei deutlich angestiegen, sagt Anke Hensel. Großer Schuldentreiber bei jüngeren Menschen seien Finanzierungen. Viele ihrer jungen Klienten stünden kurz vor einer Privatinsolvenz, weil sie Rechnungen bei Versandhäusern, Telekommunikations- und Energierunternehmen nicht mehr zahlen könnten. Die Verschuldung durch sogenannte Null-Prozent-Finanzierungen habe bei jungen Leuten bedrohlich zugenommen. 

Gefährliche Finanzierung 

Im Elektrohandel, im Möbelgeschäft, im Baumarkt und im Fahrradhandel – überall wird mit Null-Prozent-Finanzierung geworben und Banken vergeben sie. Viele vornehmlich jüngere Menschen landen deswegen in der Schuldenfalle. Mit diesem Problem beschäftigt sich Anke Hensel von der Verbraucherzentrale Hessen in Borken. Sie klärt über die Schuldenfalle auf. „Schuldenmachen gehört mittlerweile ganz selbstverständlich zum Alltag vieler junger Menschen.“ Anke Hensel Schuldnerberaterin Das Geschäft mit den Null-Prozent-Finanzierungen sei einer der wichtigsten Gründe für den starken Anstieg privater Verschuldungen und der Zunahme von Privatinsolvenzen, erklärt die Schuldnerberaterin. Schuldner immer jünger Dabei sind es meist jüngere Menschen, die sich verschulden. „Schuldenmachen gehört mittlerweile ganz selbstverständlich zum Alltag vieler junger Menschen“, sagt Anke Hensel. 50 Prozent der Schuldner im Schwalm-Eder-Kreis seien mittlerweile jünger als 40 Jahre – viele sogar erst Anfang 20, so ist es in der Jahresstatistik der Awo-Schuldnerberatung zu lesen. Bei Null-Prozent-Finanzierungen verlören viele Menschen schnell den Überblick über ihre Finanzen. Einige ihrer Klienten kämen zur Beratung und erzählten, dass sie in kurzer Zeit mehrere Finanzierungen zum Null-Tarif abgeschlossen hätten. Dann komme das böse Erwachen: In Summe überstiegen die vielen kleinen Finanzierungen dann doch das persönliche Budget, sagt sie. Häufig seien insbesondere von den jungen Schuldnern Elektronikgeräte finanziert worden. Diese verlören aber meist schnell an Wert und seien bei einer drohenden Überschuldung nur mit hohen Verlusten wieder zu veräußern. Aber gerade diesen Geräte – gemeint sind Spielkonsolen, Fernseher und Handys – übten einen großen Reiz aufs junge Klientel aus. Eigenkapital beim Hauskauf Bei einer Immobilienfinanzierung bestünde wenigstens die Chance, das Haus oder die Wohnung gewinnbringend zu veräußern und die Restschuld begleichen zu können. Das gelingt aber meist nur dann, wenn beim Kauf genügend Eigenkapital vorhanden gewesen war. Immobilienkäufe mit geringem Eigenkapitalanteil sind meist Hochrisikofinanzierungen. Denn es ist möglich nach einer Zwangsversteigerung ohne Haus, aber mit einer hohen Restschuld dazustehen. Haushaltsbuch führen Die Schuldnerberaterin empfiehlt, sich immer einen Überblick über seinen Finanzspielraum zu verschaffen, beispielsweise per Haushaltsbuch. Darin sollte man seine monatlichen Einnahmen und Ausgaben auflisten. Dadurch bekomme man schnell einen Überblick über die eigenen finanziellen Verpflichtungen und sehe auch, wo es Einsparmöglichkeiten gebe.

Quelle: HNA

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