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„Spaziergänger“ müssen zahlen: Betroffene aus dem Schwalm-Eder-Kreis verstießen gegen Corona-Regeln

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Von: Cora Zinn

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Vier betroffene Corona-„Spaziergänger“ sind jetzt jeweils zu 200 Euro Bußgeld vor dem Fritzlarer Amtsgericht verurteilt worden. Archivfoto: Maja Yüce
Fünf betroffene Corona-„Spaziergänger“ sind jetzt jeweils zu 200 Euro Bußgeld vor dem Fritzlarer Amtsgericht verurteilt worden. © Maja Yüce

Ein Urteil ist gefällt: Fünf Corona-„Spaziergänger“ aus dem Landkreis müssen jeweils 200 Euro Bußgeld zahlen, weil sie laut Anklage gegen Corona-Maßnahmen verstoßen haben (HNA berichtete).

Schwalm-Eder – Sie mussten sich in dem Ordnungswidrigkeitsverfahren vor dem Fritzlarer Amtsgericht verantworten. Die Auftaktverhandlung dazu war Ende Juni dieses Jahres. Diese wurde auf Donnerstag, 24. November, vertagt.

Alle Beteiligten im Alter von 50, 56, 57, 62 und 64 Jahren sollen am 18. Januar 2021 an einem „Spaziergang“ durch Fritzlar – als Protest gegen die Corona-Maßnahmen – teilgenommen haben. Dabei sollen sie gegen die Corona-Verordnungen des Landes Hessen verstoßen haben. Laut Anklage haben sie sich mit mehreren Menschen aus verschiedenen Haushalten getroffen. Dabei hätten sie den damals vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Meter innerhalb der Gruppe, die aus 13 Personen bestanden haben soll, nicht eingehalten.

Amtsgericht Fritzlar: Gruppe soll aus 13 Menschen bestanden haben

Die damalige Auftaktverhandlung wurde vertagt, weil die geladenen acht Zeugen nicht zu Wort kamen. Grund dafür war ein anderes Gerichtsverfahren. Es war eine bunte Truppe, die da gestern zur Vernehmung ins Fritzlarer Amtsgericht kam. Sie war sich in einer Sache einig: Alle hätten sich nur mit einer Person eines anderen Haushalts unterhalten und wären nur mit dieser spazieren gegangen. „Haben Sie Beweise dafür? Irgendwelche Fotos vom Spaziergang?“, fragte eine der Betroffenen.

Zwei Ordnungsbeamte hätten die Gruppe am Marktplatz gesehen. Die Personalien hätten sie allerdings erst – nach dem „Spaziergang“ – auf dem Parkplatz am Domstadtcenter aufgenommen. Die betroffenen fünf Menschen aus dem Landkreis sagten am zweiten Verhandlungstag nicht viel. Eher nur, wenn sie aufgefordert wurden. Eine Frau verhielt sich auffällig, wenn Zeugen, Mitläufer des „Spaziergangs“, aufgerufen wurden. Ein Mann schilderte nämlich, dass man sich schon traf, weil man die Corona-Maßnahmen als kritisch angesehen hätte. Somit bekräftigte er die Anklage – zumindest in dem Punkt, dass man sich montags gegen 18 Uhr nicht mal eben so spontan auf dem Marktplatz in Fritzlar gesehen habe.

Ordnungsbeamter sagte vor Gericht aus: Er könne sich aber nach zwei Jahren sehr schlecht erinnern

Die 57-Jährige schüttelte bei dessen Aussage den Kopf, weil sie nach wie vor davon überzeugt war, nichts Verwerfliches getan zu haben. Aber wie kam es zu den Bußgeldbescheiden? Der Ordnungsbeamte, der die Personalien am besagten Abend aufnahm, sagte aus. Viel Licht aber brachte er nicht ins Dunkel. „Der Vorfall ist jetzt fast zwei Jahre her. An die Gesichter kann ich mich heute nicht mehr erinnern“, sagte er.

Als Zuschauer bekam man das Gefühl, die Betroffenen fühlten sich nach dieser Aussage sicherer. Doch die Staatsanwaltschaft plädierte nach wie vor auf ein Bußgeld, auch nach mehrfacher Forderung einer Einstellung des Verfahrens – seitens der Verteidiger.

Ein weiterer Zeuge sagte: „Ich habe mich am Marktplatz zu denen gesellt und bin dann eben mitgelaufen.“ Diesen Satz notierte sich der Staatsanwalt sofort.

Richterin Corinna Eichler verteidigte ihr Urteil mit einer Zeugenaussage. Der Mann hatte zugegeben, sich nicht spontan getroffen zu haben

Die letzte Zeugin kritisierte vor allem die Ordnungsbeamten und die Polizisten: „Sie haben mir keinen Grund genannt, warum sie meine Personalien wollen.“ Sie hätte gar nicht zur Gruppe gehört. „Wir wurden dann von den Beamten einfach zusammengeschoben. Da war doch dann klar, dass wir keinen Abstand mehr halten konnten“, sagte sie weiter.

Richterin Corinna Eichler verteidigte das Urteil: „Wenn man sich regelmäßig getroffen hat, dann war es nicht mehr spontan.“ Sie nannte die Aussage eines männlichen Zeugen, der zugegeben hatte, man habe sich getroffen, weil man die Corona-Regeln als kritisch empfand.

Die Summe des Bußgeldes über 200 Euro sei nicht die Obergrenze gewesen, viel mehr solle sie eine abschreckende Wirkung haben. „Sie haben schlichtweg alle gegen eine Verordnung verstoßen“, sagte Richterin Corinna Eichler. (Cora Zinn)

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