Innung Hofgeismar-Wolfhagen: Es fehlt Nachwuchs 

Zahlreiche Traditionsbetriebe schließen: Die Zahl der Fleischereien hat stark abgenommen

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Die Zahl der Fachgeschäfte hat stark abgenommen: In den Altkreisen Wolfhagen und Hofgeismar gibt es nur noch 15 Fleischereien.

Wolfhager Land. Die Zahl der Fleischereifachgeschäfte hat in den Altkreisen Wolfhagen und Hofgeismar stark abgenommen.

Zahlreiche Traditionsbetriebe haben nach und nach geschlossen. Das bestätigt Uwe Köhler, Obermeister der Fleischer-Innung Hofgeismar-Wolfhagen. „Heute gibt es noch 15 selbstständige Fleischereien“, sagt Köhler. Vor 22 Jahren seien es noch 48 gewesen.

Das entspricht einem Rückgang von rund 69 Prozent. Einer der Hauptgründe für die zahlreichen Schließungen sei das Nachfolgeproblem. „Es ist kein Nachwuchs da.“ Viele hätten auch zu wenig in die Infrastruktur investiert oder es versäumt, neue Märkte zu erschließen, so Köhler. Er geht davon aus, dass es in zehn Jahren nur noch zehn selbstständige Fleischereien im Altkreis Wolfhagen und Hofgeismar geben wird.

Als Fleischerei könne man es nur schaffen, bestehen zu bleiben, wenn ein Alleinstellungsmerkmal vorhanden sei. Damit meint Köhler die Eigenschlachtung und das selbstständige Produzieren. „Der Kunde möchte eigenproduzierte Ware haben, sonst könnte er die Wurst auch im Supermarkt kaufen.“ Letztendlich seien die Fleischereien aber auch abhängig von der Unterstützung der Verbraucher. „Es wird oft von regionalem Bezug gesprochen und sich an der Supermarkt-Theke dann doch umentschlossen.“

„Der Fleischer ist inzwischen Dienstleister“, sagt Fleischermeister Ralf Franke, der an der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel die Auszubildenden unterrichtet. Fleischer sind nicht mehr nur Grundversorger. Sie müssen nicht nur schlachten und zerlegen, sondern auch zubereiten, Ernährungstipps geben und den Kunden beraten können.

Als Franke im Jahr 2000 mit dem Unterrichten an der Berufsschule begann, hatte er 18 Schüler in einer Klasse. Zwischenzeitlich waren es nur sechs. „Fleischer werden händeringend gesucht. Jeder, der auslernt, bekommt auch einen Arbeitsplatz.“ 

Arbeitszeiten schrecken ab 

„Heute gibt es in vielen Handwerken Schwierigkeiten, geeignete Nachwuchskräfte zu finden“, sagt Barbara Scholz, Sprecherin der Handwerkskammer Kassel. Die Nahrungsmittelhandwerke, also Bäcker, Fleischer und Konditoren, seien seit Jahren mit der Situation konfrontiert. „Hier sind es vor allem die Arbeitszeiten und die Arbeitsbedingungen, die viele junge Menschen abschrecken.“ Fachverbände und Innungen werben deshalb mit den Handwerkskammern unter anderem mit attraktiven Kampagnen um Auszubildende. Dabei gehe es nicht nur darum, die Lust auf ein kreatives Handwerk zu wecken, sondern auch um den Karriereweg, der sich biete.

Quelle: HNA

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