Guxhagener Metallbildner Michael Possinger arbeitet mit selbst geschmiedetem Werkzeug

„Zangen sind meine Hände“

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Konzentriert: Der Metallbildner Michael Possinger arbeitet an einer Taufschale. Dabei hantiert er mit selbst geschmiedetem Werkzeug: „Die Zangen und Hämmer sind meine Hände“, sagt der Guxhagener.

Guxhagen. Hammer und Zangen gehören zur Grundausstattung von Michael Possinger aus Guxhagen. Mit ihnen fertigt der 32-Jährige die Kunstwerke an, die unter anderem auf den Kreisverkehrsplätzen in Guxhagen und Melsungen zu sehen sind.

Die Besonderheit daran: Possinger schmiedet nicht nur die Kunstwerke selbst, sondern auch seine Arbeitsgeräte.

Der Metallbildner hat seit acht Jahren eine eigene Schmiede in Guxhagen. Am Ufer der Fulda gelegen, arbeitet er dort täglich, häufig an Aufträgen der evangelischen Landeskirche, oft im Auftrag von Architekten und Unternehmen.

Bei allen Arbeiten folgt Possinger einem Grundsatz: „Ich versuche, das traditionelle Handwerk in eine zeitgemäße Formensprache zu bringen“, sagt der 32-Jährige. Das ist nicht immer einfach, schließlich muss das Werk auch zur Umgebung passen.

Skizzen und Modelle

Possinger ist sich dieser Schwierigkeit bewusst, doch gerade das scheint den Reiz seiner Arbeit auszumachen: Teilweise wochenlang entwirft er Skizzen, stellt Modelle her, um sie dann wieder zu verwerfen, bis er den richtigen Entwurf vor sich hat.

Mithilfe von Maschinen, die mittlerweile nicht mehr zu kaufen sind, und mit den selbst hergestellten Hämmern und Zangen entstehen Possingers Werke. Dem Guxhagener geht es dabei vor allem um die Gestaltung. Zudem versucht er, seine Arbeiten ruhig zu halten, „da es in der Welt schon unruhig genug ist“. Oftmals sieht das minimalistisch aus, bei genauerer Betrachtung entdeckt man das Besondere. Wie bei der Taufschale, die er gerade anfertigt: Eigentlich nur ein gleichmäßig geformtes Stück Kupfer, aber es fällt auf, dass sie unten dicker wird – „das hinzubekommen, ist nicht einfach“.

Generell arbeitet Possinger, der sich als gestaltenden Handwerker sieht, gerne mit nur einem Stück Kupfer, aus dem er dann seine Werke formt. „Das können nicht mehr viele,“ sagt der groß gewachsene Mann mit dem Vollbart, „stattdessen wird viel mehr mit industriellen Fertigprodukten gearbeitet.“

Bekannt für Fingerfertigkeit

Possinger ist für seine Fingerfertigkeit bekannt: Momentan tüftelt er daran, ein altes, kaputtes Türschloss wieder funktionstüchtig zu machen. Ohne den passenden Schlüssel sei das aber nicht einfach, die zündende Idee für die Restaurierung ist dem Guxhagener noch nicht gekommen.

Kommen wird diese noch, da ist sich Possinger sicher. Seine Ideen fallen ihm oftmals erst spät ein: „Wenn ich an Wettbewerben teilnehme, verwerfe ich meinen Entwurf oft kurzfristig vor der Abgabe und mache was Neues.“ Aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht er das Bestmögliche zu machen – immer mit seinen selbstgeschmiedeten Hämmern und Zangen.

Quelle: HNA

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