Zauber der Kristalle: Im Steinbruch Schierenkopf gehen Sammler auf die Suche nach Mineralien

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Spurensuche mit der Lupe: Der Geologe Dr. Reiner Kunz ist fasziniert von Vielfalt und Schönheit der Minerale. Er findet die Kristalle in stillgelegten Steinbrüchen der Region. Das kleine Foto zeigt einen limonitischen Überzug. Dabei handelt es sich um ein eisen- und wasserhaltiges Gemisch verschiedener Eisenoxide.

Wolfhagen. Nur unter einer Lupe, noch besser aber mit Hilfe eines Stereomikroskops wird der Reiz der Minerale sichtbar. Wer die unscheinbaren Basaltklumpen aus dem ehemaligen Steinbruch Schierenkopf im Stadtwald Wolfhagen unter 20-facher Vergrößerung betrachtet, erlebt eine Explosion der Farben und Formen.

Vor der Linse blühen orangerote und schwarze Phillipsite auf, rostrote Kupferlocken kringeln sich und glasklare Chabasitkristalle glitzern im Licht. Der Wolfhager Geologe Dr. Reiner Kunz ist dem Zauber der Kristalle seit seiner Kindheit erlegen. Immer wieder zieht es ihn hinaus in die Natur, um seine heimische Sammlung zu erweitern. Während das Sammeln von Fossilien verboten ist - bei ihnen handelt es sich um Reste von Lebewesen, sind Suche und Mitnahme von Erzen in Hessen erlaubt. Allerdings benötigt der Sammler die Erlaubnis des Grundstückseigentümers. Das habe vor allem auch Sicherheitsgründe, sagt Kunz. Beim Naturdenkmal wie dem Schierenkopf ist die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel zuständig, in Naturschutzgebieten (Obere Naturschutzbehörde) ist die Mitnahme anorganischer Objekte tendenziell eher verboten.

Schürfhammer und Lupe 

Eingefleischte Sammler begeben sich ausgerüstet mit Schürfhammer und Lupe am liebsten im Frühjahr auf die Suche. Denn die Frostsprengung mit ihrer wiederkehrenden Folge aus Frost und Tauwetter hat zu dieser Jahreszeit ganze Arbeit geleistet. „Die aufgebrochenen Steine liegen einem regelrecht vor den Füßen“, sagt der 56-Jährige. Und auf den nicht ganz ungefährlichen Gang zu den Wänden im Steinbruch kann verzichtet werden. Zudem habe der Frühling gegenüber Sommer und Herbst den Vorteil, dass keine üppige Vegetation den Blick auf die Fundstücke versperrt.

Die Minerale schlummern seit einigen Millionen Jahren im Gestein. Kunz schätzt ihr Alter auf 20 bis sieben Millionen Jahre. Neben dem Schierenkopf wird man im Wolfhager Land auch fündig an den Steinbrüchen Igelsbett und unterhalb der Weidelsburg, am Ofenberg, bei Wettesingen und an den Basaltkuppen der Helfensteine, am Bilstein bei Istha sowie am Kuhberg.

Magma trat aus 

Der Vulkanismus habe die Entstehung der Minerale begünstigt. Im Falle der Kristalle im Wolfhager Land trat das Magma aus und kühlte recht schnell zu Basaltlava ab. Beim Erkalten bildeten sich Hohlräume mit Gasblasen und Lösungen. Irgendwann kristallisierten die Einschlüsse aus und zurück blieben bizarre Schönheiten von winzigem Ausmaß.

Etwas schade findet es der Geologe, dass sich nur noch wenige Menschen für die Gesteine begeistern. An Universitäten wird die Mineralogie zunehmend in Nischen gedrängt, auch an Schulen findet das Fachgebiet kaum Beachtung. „Heute sind wir ein Kreis von Exoten“, sagt der Wolfhager. Bei Mineralienbörsen treffen sich die Gleichgesinnten und präsentieren ihre Schätze.

Kontakt: Wer sich mit Dr. Reiner Kunz auf die Suche nach Kristallen begeben möchte, kann sich bei der Unteren Naturschutzbehörde unter 05692/987 3103 melden.

Quelle: HNA

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