Zehn Jahre nach  Erfurter Amoklauf gibt es spezielle Krisenteams

+
Trauer in Erfurt: Vor zehn Jahren geschah der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium. Das Bild zeigt den mit Blumen und Kerzen übersäten Eingangsbereich der Schule.

Schwalm-Eder. Heute vor zehn Jahren erschoss in Erfurt ein 19-Jähriger in seiner ehemaligen Schule 17 Menschen. Es war die erste derartige Tat in Deutschland. Seitdem hat sich in den Schulen viel verändert, auch im Schwalm-Eder-Kreis.

Richtig viel habe sich vor allem nach einer ähnlichen Tat in Emsdetten im Jahr 2006 getan, sagt Peter Kühne, Psychologe am Staatlichen Schulamt in Fritzlar.

Das gilt allerdings nicht nur für Amokläufe, sondern für Krisen in Schulen generell. Kühne nennt als Beispiele den Tod einer Lehrerin im Unterricht, den tödlichen Unfall eines Schülers auf dem Schulhof oder ein Unfall mit dem eigenen Auto. Auch Busunfälle beschäftigen die Schulpsychologen. In einem solchen Fall, aber eben auch bei einem Amoklauf oder einer entsprechenden Drohung, gibt es in jeder Schule ein Krisenteam. Dieses bestehe in der Regel aus der Schulleitung, zwei weiteren Lehrern und meist der Sekretärin. Auch der Hausmeister könne dabei sein, sagt Kühne.

Für Notfälle ist dann genau geregelt, was zu tun ist. So gibt es zum Beispiel eine Telefonliste, damit die richtigen Ansprechpartner informiert werden können. Bei Gewalttaten sei das natürlich zuerst die Polizei. Wenn Eltern, etwa nach einem Busunfall, in der Schule anrufen, ist die Sekretärin oft die Ansprechpartnerin am Telefon. Es sei wichtig, in der Krise handlungsfähig zu sein.

Besonders wichtig ist den Schulpsychologen die vorbeugende Arbeit in den Schulen. Wenn Schüler sich gedemütigt und ausgegrenzt fühlten, wenn sie sich sozial isolierten, dann sei das ein Alarmsignal. Es sei wichtig, dass es für jeden Schüler in der Schule einen erwachsenen Ansprechpartner gebe, dem der Schüler vertraut, sagt Kühne. Das könne ein Lehrer sein, aber auch der Hausmeister.

Wichtig sei, dass die Erwachsenen sich austauschten, damit auffällt, wenn es einen Schüler ohne Vertrauensperson gibt. „Schulen müssen eine Kultur des Vertrauens aufbauen“, sagt Kühne. Der Kontakt zu Erwachsenen sei wichtig, weil Schüler die Probleme von Mitschülern in der Regel gegenüber den Lehrern nicht thematisierten. Dieses faktische „Schweigegelübde“ gelte es aufzulösen. Nach einer Krise, ob Unfall oder Gewalttat, sind die Schulpsychologen gefragt. Ihre Arbeit beginne zwei bis drei Tage nach dem Ereignis, erläutert Peter Kühne.

In der Schule setzen sie sich mit den Schülern in Gruppen zusammen. Wichtig sei, dass diese den gleichen Grad der Betroffenheit haben, also beispielsweise direkte Zeugen waren. Aufgabe der Psychologen sei es nun, ihnen zurück in den Alltag zu helfen. Dafür gibt es ein amerikanisches Konzept namens Group Crisis Intervention (Gruppen-Krisenintervention).

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare