Auch nach Unfällen

Zeichensprache der Polizisten: Diese Signale ersetzen Schilder und Ampeln 

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Denkmal in Göttingen: Hier ist Heinz Erhardt als legendärer Film-Verkehrspolizist auf dem Heinz-Erhardt-Platz verewigt.

Wissen Sie, wie Polizisten den Verkehr regeln? Viele Autofahrer kennen die Zeichensprache der Uniformierten nicht richtig. Wir helfen nach.

Mitte der Woche gab es auf der Rathauskreuzung in Kassel ein Schauspiel der besonderen Art zu beobachten: Aufgrund eines technischen Defekts waren die Ampeln ausgefallen und mitten auf den Straßen regelten Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts den Verkehr: Sie hoben die Hände, drehten sich um die Achse, ruderten mit den Armen. Sie gaben den Ton an, während die Autos geordnet an ihnen vorbeirauschten. Und manch Verkehrsteilnehmer musste hervorkramen, was er in der Fahrschule gelernt hatte: Siehst du Schupos Hosennaht, hast du freie Fahrt, siehst du Schupos Brust und Rücken, musst du auf die Bremse drücken.

„Das ist gar nicht ungefährlich, als Polizist da zu stehen und auf der Straße den Verkehr zu regeln“, sagt Polizeisprecher Jürgen Wolf. Erst recht nicht, wenn es den einen oder anderen Verkehrsteilnehmer gibt, der die Zeichensprache der Uniformierten nicht richtig versteht.

Für den Verkehr an Kreuzungen gilt „rechts vor links“. Übertrumpft wird diese Regelung durch eine Beschilderung, etwa wenn eine Straße als vorfahrtsberechtigt ausgewiesen ist. Dann müssen die Benutzer der anderen Straße warten. Gibt es eine Ampel, dann steht das Lichtzeichen über der Beschilderung. Schließlich kommt der Mensch ins Spiel: Es gibt Verkehrsposten, die den Verkehr regeln können. Am Kopf der Hierarchie befinden sich die Polizisten. „Der Verkehrspolizist hat das letzte Wort“, sagt Uwe Thiel von der Kasseler Ferienfahrschule Thiel und betont: „In letzter Instanz muss allerdings der Fahrer immer noch selbst entscheiden, was umsetzbar und richtig ist.“ Das Gehirn sollte man im Straßenverkehr bei aller Folgsamkeit nie ausschalten. „Bitte zügig aber mit wachen Sinnen fahren“, rät er.

Linke Position (Polizist von der Seite) bedeutet: Verkehr ist freigegeben. Wer von rechts und links kommt, muss warten. Zweite Position (Arm hoch) bedeutet: Stehen bleiben, vor der Kreuzung und auf das nächste Zeichen warten.
Dritte Position (seitlich ausgestreckte Arme quer zur Fahrtrichtung) bedeutet: Halt vor der Kreuzung, Querverkehr links und rechts ist frei. Vierte Position (Arm hoch) bedeutet: Vor der Kreuzung warten. Polizist von vorne mit erhobenem Arm wird sich gleich rumdrehen, Fahrer müssen sich auf die Weiterfahrt vorbereiten. Seitlich mit erhobenen Arm, wird sich gleich drehen, Fahrer muss auf neues Zeichen warten.

Eine Verkehrsregelung durch die Polizei geschieht häufig, wenn auf Kreuzungen Ampeln ausfallen oder auch nach Unfällen. Dann gilt es genau hinzugucken. Das wichtigste Signal: Hat der Polizist den Arm nach oben gestreckt, bedeutete das für alle Verkehrsteilnehmer, egal aus welcher Richtung sie kommen: Achtung, stehen bleiben und auf das nächster Zeichen warten, sagt Polizist Wolf.

Neben den geraden Querungen müssen die Polizisten auch den Querverkehr und Linksabbieger regeln. Hierfür kommen zur klassischen Brust-Rücken-Naht-Regel winkende Handzeichen hinzu. Wichtig sei es dabei, bei der Deutung auch auf den Blickkontakt zu achten. Generell komme es aber nicht mehr so häufig vor, dass Polizisten den Verkehr regeln müssen. Und wenn Ampeln ausfielen, seien sie heute schnell repariert.

Was, wenn jemand die Zeichen nicht versteht? „Grundsätzlich kann und sollte jeder die Führerscheintheorie immer wieder auffrischen, so Thiel. Er biete seinen Kunden an, auch mal die Großeltern in den theoretischen Unterricht mitzubringen. Und Jürgen Wolf formuliert eine Bitte an alle Autofahrern: Immer daran denken, wenn da ein Polizist in hellgelber Warnjacke auf der Kreuzung steht: Beim Vorbeifahren genügend Abstand halten!

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex.

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