Inflation in Ziegenhain

1923: Die Zeit der 20- und 50-Milliarden-Mark-Scheine

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Viel Aufwand für wenig Geld: Das Ziegenhainer Notgeld während der Inflation 1923 galt zwar nur kurz, doch war es geschmückt mit Schwälmer Motiven und vierfach unterschrieben. Repro: Klüßendorf /nh

Ziegenhain. Der Kreisausschuss Ziegenhain ließ 1923 zur Zeit der Hyperinflation das so genannte Notgeld ausgeben. So kamen am 25. Oktober 1923 Scheine zu 20 Milliarden Mark in Umlauf, am 3. November kamen die 50-Milliarden-Mark-Scheine hinzu.

Sie zierten Werke des Malers Karl Mons. Zudem waren die kompletten Serien per Hand signiert worden.

Die Hyperinflation des Jahres 1923 machte auch vor dem Altkreis Ziegenhain nicht halt. Immer schneller verlor die Mark an Wert, so dass es bald an Barem mangelte. Notgeld musste her.

Der damalige Bürgermeister Neukirchens Friedrich Weber und Ernst Ludolph, Mitglied des Kreisausschusses, verwiesen auf Karl Mons. Das schreibt Niklot Klüßendorf, Professor für Geldgeschichte an der Universität Marburg. Schwälmer Motive sollten die neuen Scheine schmücken, aufgrund der Zeitnot wurde auf bereits bestehende Werke zurückgegriffen.

Das Schwälmer Paar des Röllshäuser Malers Mons (1890-1947), der zum Umfeld der Willingshäuser Malerkolonie zählte, war für diesen Zweck ideal. Druckvorlagen wurden für die Scheine verwendet, die als Zahlungsmittel genutzt wurden. Die Gestaltung war etwas besonderes, denn Notgeld war zumeist auch nur notdürftig angefertigt, da die Serien innerhalb weniger Tage gedruckt werden mussten.

Es wird jedoch davon ausgegangen, dass Mons noch weitere Entwürfe für Serienscheine in Deutschland anfertigte. Solche Arbeiten brachten den Künstler der damaligen Zeit Aufträge und somit Geld ein.

Eine weitere Besonderheit weisen die Ziegenhainer Mark-Scheine zudem auf. „Das ist in Deutschland einmalig“, sagte Klüßendorf. Denn vier Personen unterschrieben jeden Schein einzeln. Neben den 8400 Scheinen zu 50 Milliarden, waren auch die 3000 Stück zu 20 Milliarden sowie die späteren 3000 Stück der 1-Billion-Scheine, die am 12. November 1923 in Umlauf kamen, handschriftlich signiert.

Der damalige Direktor der Kreissparkasse Peter Stuhlmann unterzeichnete somit alle 15 400 dieser Geldscheine. Die anderen drei Unterschriften leisteten abwechseln der Landrat Günther von Steinau-Steinrück, Kreisdeputierter Johannes Schwalm, die Kreisausschuss-Mitglieder Friedrich von Baumbach, Fritz Röttcher und Ludolph sowie Bürgermeister Weber.

„Sie schrieben sich die Finger wund“, fügt der Marburger Professor an. Es war ein hoher Aufwand für das Notgeld. Die Scheine waren bis Ende Januar 1924 gültig und auch in regem Umlauf.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: Klüßendorf, Niklot: „Viel Aufwand um wenig Geld. Das Papiermarknotgeld des Kreises Ziegenhain von 1923“, erschienen in: Herold Jahrbuch Nr. 18. 2013.

Quelle: HNA

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