Schwänke aus der Schänke

Zeitreise am Sunderbach: In dem Tal gab es einst eine gut besuchte Gaststätte

Die Sunderbachschenke Mitte der 1950er-Jahre. Damals gab es den überdachten Anbau noch nicht. Bei schlechtem Wetter kamen die Besucher im Holzhäuschen, links im Bild, zusammen.

Gensungen. Für Anneliese Talaska ist es wie eine Zeitreise, als sie die Stufen zur ehemaligen Sunderbachschenke hinabsteigt – der Gaststätte, die ihr Vater 1952 im Sunderbachtal bei Gensungen eröffnet hat.

Bier wird dort schon lange nicht mehr ausgeschenkt: Heute wohnt in dem Gebäude eine Familie zur Miete.

Und doch entdeckt die 83-Jährige noch manches, was an die damaligen Zeiten erinnert – etwa einen Lastenaufzug, der vom darüber liegenden Parkplatz zum Gebäude hinuterführt. „Damit wurden die Bierkästen transportiert“, sagt Anneliese Talaska. Die Geschichte der Sunderbachschenke beginnt mit einem kleinen Holzhäuschen. Das baute Zimmermann Johannes Rath, genannt Hans, Anfang der 1950er-Jahre am Rand des Sunderbachtals auf. „Das Tal war damals sehr schön, nicht so verwildert wie heute“, erinnert sich Raths Tochter, Anneliese Talaska. „Viele Familien gingen dort spazieren. Mein Vater wollte, dass die Ausflügler sich im Tal auch mal eine Limonade kaufen konnten.“

Blick von oben auf die frühere Sunderbachschenke: von links Wolf Hess, der heute mit seiner Familie als Mieter in dem Haus wohnt, und die Tochter des Gaststätten-Gründers Anneliese Talaska. 

Hans Rath legte auf dem Gelände Treppen und Terrassen an und stellte Tische und Stühle auf. „Das sprach sich rum, und es kamen immer mehr Leute“, schildert Anneliese Talaska. Anfangs spielte sich der Großteil des Gastbetriebs unter freiem Himmel ab. „Wenn ein Unwetter aufzog, mussten alle Besucher in dem kleinen Holzhäuschen Schutz suchen. Da war es dann gerappelt voll, die Stimmung war toll.“

1958 ergänzte Hans Rath das Häuschen um einen überdachten Anbau. „Dort haben wir auch unsere Hochzeit gefeiert“, erzählt Anneliese Talaska. Die Sunderbachschenke war ein Familienbetrieb: Hans Raths Ehefrau Elise kümmerte sich um die Küche – es gab Kochwurst, Bratwurst und Gehacktesbrötchen – Tochter Anneliese und ihr späterer Mann Wolfgang Talaska halfen bei der Bedienung. Oft wurde bis spät gefeiert. „Ich bin manchmal im Büro auf der Schreibmaschine eingeschlafen, weil die Nacht so kurz war“, sagt die 83-Jährige. Bei Dunkelheit war der Heimweg durch das Tal abenteuerlich: Wenn die Gäste angetrunken waren, traten sie schonmal daneben und landeten im Bach.

Treffpunkt: Die Sunderbachschenke war ein beliebtes Ausflugsziel für viele Felsberger. Oft saßen die Besucher bis in die Nacht hinein zusammen.

Ihr Vater habe stets für die Unterhaltung der Gäste gesorgt, erinnert sich Anneliese Talaska: „Er bestellte Musiker, zum Beispiel die Feuerwehrkapelle.“ Gab es keine Live-Musik, lief die Platte „Das alte Försterhaus“ in der Dauerschleife. „Es war eine wunderschöne Zeit“, sagt Anneliese Talaska. Noch heute werde sie manchmal von Leuten angesprochen: „Weißt du noch, wie schön es damals bei euch war?“

Nachdem das Ehepaar Rath die Sunderbachschenke aufgegeben hatte, währten die goldenen Zeiten der Gaststätte jedoch nicht mehr lange. Nach mehreren Pächterwechseln stand sie jahrelang leer. „Es hat uns immer leid getan, dass das Gebäude so verfallen ist“, sagt Anneliese Talaska.

Sie ist froh, dass inzwischen wieder Leben in das Haus eingezogen ist. Der heutige Bewohner Wolf Hess hat sie eingeladen, wieder mal vorbeizuschauen. Dann kann die 83-Jährige erneut auf Zeitreise gehen. 

Quelle: HNA

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