Zeugen des Mittelalters

Niederelsunger Kirche: Überraschende Funde bei Restaurierung

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Neues Gewand mit historischer Malerei: (von links) Pfarrer David Bienert, Archäologe Dr. Jürgen Kneipp und Restaurator Piotr Slupczynski freuen sich über die neuen Funde in der Niederelsunger Kirche.

Niederelsungen. Was im Boden begann, erstreckt sich nun weiter gen Himmel: Erneut wurden während der Sanierungsarbeiten in der Niederelsunger Kirche sensationelle historische Funde entdeckt.

Neben den bereits im vergangenen Dezember ausgegrabenen Grundmauern und circa 500 weiteren Bodenfunden aus dem 9. Jahrhundert, traten nun eine barocke Inschrift (vermutlich Psalm 67, 2 bis 8) und darunter figürliche Wandmalereien aus dem Mittelalter ans Licht. Der Zeichenstil wird in die Zeit der Gotik – also ins Spätmittelalter um 1200 bis 1500 – datiert.

„Solche Wandmalereien findet man nicht jeden Tag“, erklärt Restaurator Piotr Slupczynski. „Die Abbildungen sind für die Kunstgeschichte sehr interessant.“ Denn es sei sehr ungewöhnlich, dass auf der Westwand einer Kirche eine solch große Abbildung vorzufinden sei. „Normalerweise steht in diesem Bereich einer Kirche die Orgel“, so Slupczynski weiter.

Auch in Niederelsungen sollte in diesem Bereich eigentlich die neu restaurierte Kirchenorgel wieder an ihren vertrauten Platz.

Zukunft der Fresken ungewiss

„Aufgrund der neuen Funde stellt sich nun allerdings die Frage nach dem Standort der Orgel und wie man konservatorisch mit den Fresken vorgehen soll“, erläutert Pfarrer David Bienert.

Allerdings würde der Fund den Raumeindruck nicht beeinträchtigen. Trotzdem muss sich die Kirchengemeinde in der nächsten Zeit entscheiden, ob die Fresken bleiben oder überdeckt werden sollen.

„Wir haben hier ein richtiges Kleinod. Nur selten findet man so gut erhaltene Malereien“, meint Archäologe Dr. Jürgen Kneipp. Denn im Gegensatz zur Glas- und Tafelmalerei blieben die Wandmalereien an ihrem Entstehungsort und würden so auch Auskunft über regionale Kunstströmungen geben.

Neben Entstehungszeit, Malstil, Thema und Zustand werden die Arbeiten des bislang unbekannten Künstlers auch entwicklungsgeschichtlich eingeordnet. „Fast alle erhaltenen Wandmalereien sind in Kirchen, Kapellen und Klöstern“, erklärt Pfarrer David Bienert. „Damals hatte wahrscheinlich jede Kirche eine Wandmalerei. Heute ist davon jedoch nur noch eine Winzigkeit erhalten“, so Bienert weiter. „Denn in der Zeit der Reformation wurden figürliche Abbildungen in Kirchen durch Inschriften übermalt. Somit lässt sich auch das Datum der Inschrift auf diesen Zeitraum datieren.“

Barrierefreier Umbau

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde inzwischen der Boden abgesenkt und der Eingang barrierefrei gestaltet. Die Malerarbeiten laufen noch. Renoviert wurden ebenfalls die Empore und die Orgel.

Niederelsunger Kirche: Überraschende Funde bei Restaurierung

Hintergrund

Bereits archäologische Bodenfunde im Dezember 2012 entdeckt

Die Niederelsunger Kirche, bereits im 13. Jahrhundert erbaut, ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des Wolfhager Ortsteils. Gegenwärtig befindet sich die Kirche in der abschließenden Phase der Innensanierung. Ein genauer Termin der Wiedereröffnung steht in diesem Jahr noch nicht fest. Denn archäologisch bedeutende Bodenfunde aus dem 9. oder 10. Jahrhundert im Dezember und die neuen Funde unter dem Putz der Westwand im Zuge der Malerarbeiten haben den Zeitplan verzögert. Die Wissenschaftler diskutieren über die genaue Datierung und darüber, ob die Kirche in Niederelsungen sogar mal eine dreischiffige Basilika war - und damit wesentlich größer als die heutige Kirche. Es gibt Indizien, die dies bezeugen. „Für eine einschiffige Kirche ist diese sehr lang und schmal“, erklärt Pfarrer David Bienert. (mel)

Quelle: HNA

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