Eine der ältesten Schaustellerfamilien in Ziegenhain

So aufregend ist das Leben einer Schaustellerfamilie

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Erlebnislabyrinth: Mit Jumanji – 19 mal acht Meter lang, 70 Tonnen schwer – ist Schausteller Hugo Haas auf dem Ziegenhainer Alleeplatz zu Gast. Der Festplatz öffnet am Donnerstag seine Pforten. 

Ziegenhain. Als Kind ging Hugo Haas auf 108 Schulen. Der Münchner gehört zu einer der ältesten Schaustellerfamilien und ist nun auf der Ziegenhainer Salatkirmes zu Gast.

Schausteller wird man nicht, Schausteller ist man – von Geburt an: Davon ist Hugo Haas (56) überzeugt. Der Münchner gehört zu einer der ältesten Schausteller-Familien Deutschlands. Seit dem 17. Jahrhundert touren sie durch Deutschland und die Nachbarländer. „Das lässt sich anhand der Gewerbescheine genau zurückverfolgen“, erzählt Haas, der als Kind 108 Schulen besuchte, immer auf Reisen, immer unterwegs war: „Mit zwölf Jahren stand ich zum ersten Mal allein im Geschäft“, erinnert er sich. Zum ersten Mal macht die Familie jetzt Station in Ziegenhain.

Seine Kindheit beschreibt er als das reinste Abenteuer. Überall hatte er die sogenannten Fahrchip-Friends – Freunde, die sich in jedem Ort fanden, kaum war das Fahrgeschäft aufgebaut. „Ich war beliebt, ich hatte die begehrten Chips.“ Begonnen habe der Schausteller-Betrieb einst mit Schaubuden und klassischer Hochseilartistik. „Meine Frau stammt aus der bekannten Artistenfamilie Stey“, erzählt Hugo Haas.

In den 1960er-Jahren sei der Verkehrskindergarten – eine improvisierte Straße mit Fahrrädern – der Renner gewesen. Dann erfand die Firma Dietz aus Ziegenhain – in Deutschland heute einer der größten Hersteller für Lauf- und Fahrgeschäfte – die Kinderschleife: „Damit war unser Fahrgeschäft nicht mehr gefragt“, berichtet der 56-Jährige. In den 1970er-Jahren etablierte sich der Schaustellerbetrieb mit Superlativen. Engagiert wurde etwa der stärkste Mann der Welt aus Kanada, der sich von einem Auto überrollen ließ.

Der Mix aus Schau und Belustigung öffnete Türen. „Wir durften als einzige westdeutsche Schausteller auch im Osten auftreten.“ 2012 ging Haas zusammen mit Tochter Antoinette ein ehrgeiziges Projekt an – er entwickelte eine Varieté-Show. Doch die Idee floppte – „ich habe 280 000 Euro verbrannt“. Dass sich die Zeiten ändern, die Ansprüche der Kunden ändern, daran müsse man immer denken, sagt Haas. „2019 kommen wir mit dem Albtraum. Einem Fahrgeschäft ähnlich dem Gruselkabinett London Dungeon.“ Allein die Maße beeindrucken: 24 mal 28 Meter.

Unterwegs ist die Familie von Fasching bis Weihnachten, in zehn bis 15 Städten machen sie Station. Was Haas manchmal wahnsinnig macht? „Die Bürokratie“, sagt er. Freude bereiten dem technikverliebten Münchner immer noch seine alten Lastwagen. „Mit denen durch das Land zu fahren, ist das größte.“ Stolz ist Haas auf seine vier Kinder. Drei treten in seine Fußstapfen. Und auf seine Frau: „Eine Schausteller-Ehe zählt doppelt. Wir sehen uns schließlich 24 Stunden am Tag. Seit 30 Jahren.“ Jetzt freut sich die Familie, die Schwälmer kennen zulernen. Mit Platzmeister Andreas Krüger sind sie schon per Du.

Öffnungszeiten: Der Festplatz auf dem Ziegenhainer Alleeplatz ist von Donnerstag, 31. Mai bis Sonntag, 3. Juni geöffnet. Am Donnerstag gibt es zwischen 18 und 19 Uhr für eine Stunde besonders günstige Fahrpreise: Jede Fahrt kostet 99 Cent. Am Montag ist Familientag, hier gibt es ebenfalls reduzierte Fahrpreise.

Quelle: HNA

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