Ziegenhain: Sicherungsverwahrung muss in knapp 20 Monaten fertig sein

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Ziegenhain. Knapp 100 Zuhörer und sogar Teams von ZDF und Hessischem Rundfunk wollten am Donnerstagabend Näheres über den geplanten Neubau für Sicherungsverwahrte in Ziegenhain erfahren.

Statt echter Neuigkeiten bekräftigte Staatssekretär Dr. Kriszeleit, dass sein Ministerium sich klar für den Standort entschieden hat - der Synergieeffekte mit der bestehenden, in der Stadt bestens akzeptierten Justizvollzugsanstalt wegen.

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Ein Gebäudemodell oder auch eine Abbildung hatte er nicht dabei, nur den neuesten Lageplan, nach dem der historische Kugelkeller, eine Kasematte aus dem Dreißigjährigen Krieg, öffentlich zugänglich bleiben soll. Der Neubau für 60 gefährliche Straftäter muss nach höchstrichterlicher Anordnung im Sommer 2013 bezugsfertig sein.

Im Publikum waren viele Wallgrabenanlieger sowie geschichtlich und im Denkmalschutz engagierte Schwalmstädter zu entdecken. Ihre Fragen an die Menschen auf dem Podium waren großenteils Stellungnahmen, die erhebliche Bedenken gegen die Umsetzung des Vorhabens im historischen Kern der bundesweit einmaligen Festungsanlage beinhalteten.

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Eine völlige Absage erteilte Kriszeleit der Anregung von Werner Krug, der eine Auslagerung auf die grüne Wiese zwischen Treysa und Allendorf vorschlug. Nur innerhalb der bestehenden Anlage mit der höchsten Sicherheitsstufe 1 sei der Bau wirtschaftlich. Mit 14 Millionen Euro wird kalkuliert.

Bernd Völker, Vorsitzender des Arbeitskreises Festung, schlug als Ausgleich denkmalschützerische Hilfen gegen Leerstand und Verfall im Festungsbereich vor. Der Staatssekretär erklärte dazu, er könne aus Geldmangel keine derartigen Geschenke mitbringen. Deutlich machte Kriszeleit, dass das Land den Fortbestand der Justizvollzugsanstalt durchaus an den Ausbau knüpft. Die Arbeitsplätze sollen um über 40 Vollzeitjobs ausgeweitet werden.

Versammlung zum Thema Sicherungsverwahrung

Neun Architekturbüros sind aufgefordert, Entwürfe für das Gebäude zu entwickeln. Die Lebensqualität darin muss laut richterlicherlicher Entscheidung deutlich gehobener sein, als die im gewöhnlichen Gefängnis, die Räume müssen sich von den Zellen der anderen Inhaftierten unterscheiden, es muss Bereiche für Therapie und Behandlung geben, das Gebäude muss getrennt von weiteren Bereichen liegen. Infrastrukturelles wie die Versorgung mit Essen und Wäsche soll indes gemeinsam mit der bisherigen Anstalt, wo derzeit auch 31 Sicherungsverwahrte untergebracht sind, abgewickelt werden. (aqu)

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Quelle: HNA

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