Amoklauf-Warnung in Schwalmstadt entpuppt sich als bloßes Gerücht

Schwalmstadt. Es waren nur wenige Carl-Bantzer-Schüler, die am Dienstag zum Unterricht erschienen. Ein am Montag in Windeseile über Internet und Telefon verbreitetes Gerücht eines vermeintlich angekündigten Amoklaufes an der Gesamtschule mit knapp 600 Schülern bewog die meisten Eltern, ihre Kinder zu Hause zu behalten.

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16.44 Uhr aktualisiert

In der Carl-Bantzer-Schule (CBS) waren am Dienstag die Türen verriegelt, sie waren nur von innen zu öffnen: Schüler mussten vorsichtshalber im Gebäude bleiben. Alle Lehrer waren im Dienst, die wenigen Mädchen und Jungen wurden im Atrium versammelt, da gewöhnlicher Unterricht so nicht möglich war. Was genau war geschehen?

Laut Polizeisprecher Reinhard Giesa hatte die CBS die Polizei am Montag gegen 11.40 Uhr über das kursierende Gerücht informiert. Beamte hätten dann sehr schnell herausgefunden, dass sich über einen Gerüchtestatus hinaus absolut nichts ergab.

Das Mädchen gab an, auf dem Schulhof von der Drohung via Internet gehört zu haben, nähere Angaben konnte es nicht machen. Aus dem Umfeld der Schule wurde außerdem ein Name genannt. Die Überprüfung des Betreffenden habe ergeben, dass alles völlig haltlos gewesen sei.

Besonders niederträchtig: Vor zwei Jahren war der Betreffende, zu dessen Identität Giesa ausdrücklich keine Angaben machte, schon einmal Opfer von vergleichbaren Verdächtigungen. Auch seinerzeit habe sich die Haltlosigkeit der Unterstellungen ergeben.

Es gelte nun, das Opfer zu schützen und zu unterstützen, der Betroffene und seine Familie hätten erneut eine sehr schwere Belastung zu ertragen, unterstrich Giesa und betonte, dass eine mutwillige Beschuldigung strafrechtlich verfolgt wird. Während sich nach Überzeugung der Polizei am Montag eine vollständige Entwarnung eingestellt hatte, drehte sich das Gerüchtekarussell am Nachmittag und Abend immer schneller. Viele riefen in der Schule an. Sie wurden zwar beschieden, dass keine Gefahr drohe, berichtete Gabriele Rohde von der Schulleitung, aber „wir haben geahnt, dass sich das verselbständigen würde“.

Wirklich überrascht sei das Kollegium daher gestern Morgen nicht über das Fernbleiben so vieler Schüler gewesen. „Ich kann die Aufregung der Eltern verstehen, doch wir haben ja richtig und besonnen gehandelt, Hilfe geholt“, unterstrich sie. Ab heute soll der Unterricht wieder normal stattfinden, der Abschluss der Hauptschulpräsentationen wurde um einen Tag auf morgen verschoben. „Wir hoffen, dass wir sehr schnell zum Alltag zurückkehren können“, sagte die Pädagogin. (aqu)

Das sagt die Schulleitung:

Die Schulleiterstelle der CBS ist derzeit nicht besetzt. Mit unserer Zeitung sprach Gabriele Rohde vom Schulleitungsteam. In der Schule sei alles richtig gemacht worden, „allein das Wort Amoklauf reicht aber eben schon aus, um viele Dinge in Gang zu bringen“. Die Polizei und das Schulamt seien vorschriftsmäßig informiert worden. Zur Streuung des Gerüchts erklärte sie, mehrere Schüler hätten sich damit an ihre Lehrer gewandt, die sofort die Schulleitung informiert hätten. Am Nachmittag sei klar gewesen, dass keine Gefahr bestand, das sei anrufenden Eltern auch so mitgeteilt worden.

Wenn heute die Schule wieder normal anläuft, solle die Lehrer zuerst mit den Schülern über die Begebenheit sprechen. Dazu wurden sie gestern in der CBS vom Polizei-Jugendkoordinator Markus Brettschneider beraten. An der Schule seien sonst nur am Dienstagmorgen die Besatzungen zweier Streifenwagen gewesen, rein vorsorglich.

Quelle: HNA

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