Gebäude prägte die Stadtmitte

Ziegenhainer Familie Franz war eine Frisör-Dynastie 

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Das Haus Franz in der Untergasse: Es stand etwa da, wo heute die Kreuzung Ernst-Ihle-Straße/Hessenallee ist.

Ziegenhain. Vor über vier Jahrzehnten abgerissen, erinnern sich doch viele Schwälmer an das Haus Franz in Ziegenhain. Wir trafen Wolfgang Franz, der aus dem Famileinbuch erzählte.

Wolfgang Franz gefiel unsere Bilderseite aus dem historischen Ziegenhain, allerdings musste er korrigieren, dass die Untergasse die heutige Kasseler Straße gewesen sei.

Ganz vorne, wo heute die Ecke der Kreuzung Hessenallee/Ernst-Ihle-Straße ist, erkannte Franz nämlich deutlich das Geschäftshaus seiner Ahnen (Foto). In den 1970er-Jahren wurde es wohl für den Ausbau der Kreuzung abgerissen.

Das Gesicht der Ecke veränderte sich völlig, auch die ehemalige Viehtränke beziehungsweise die Mühlenbrücke dort verschwanden damals. Das stattliche Haus Franz mit letztlich zwei Salons und einem Laden war der Anbau an ein kleineres historisches Gebäude im Stile des Postschlags neben der alten Hauptpost.

Das hatte der aus Thüringen stammende Großvater Matthias Franz gekauft. Matthias Franz‘ erstes Geschäft war schräg gegenüber gewesen, später war dort die Friseurin Franziska März zu finden.

Wolfgang Franz, der als Jugendlicher ohne Frage ebenfalls das Frisörhandwerk zu erlernen hatte, erinnert sich: Sein Großvater Matthias starb ohne Testament 1944. Da war sein Onkel Oswald schon tot, gefallen 1942 in Russland. Einen anderen der Franz-Brüder, Otto, haben ältere Schwälmer noch vor Augen. Er litt unter starker Fehlsichtigkeit und hatte eine entsprechend starke Brille. Der Nichtraucher führte den Tabakwarenhandel. Onkel Heinz, natürlich auch Frisör, baute ab 1945 seinen Damensalon auf. Heinz starb in den 60er-Jahren an einem Krebsleiden.

Erst nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft kehrte Wolfgang Franz‘ Vater Max 1948 heim, um ebenfalls wieder als Frisör zu arbeiten. Da war Sohn Wolfgang schon zehn Jahre alt.

Untergasse nannte man die heutige Wiederholdstraße, Obergasse die Kasseler Straße. Schon mit 13 Jahren stand der junge Wolfgang bei Gelegenheit im Geschäft. Wie alle lernte er das Handwerk, legte seinen Meister ab, bis etwa 1970 arbeitete er in dem Beruf. Dann gab es eine Kehrtwende, Franz hatte die Möglichkeit, in die Firma Schuh-Rohde zu wechseln, in die Abteilung für Elektronische Datenverarbeitung. Er hängte die Frisörtradition für immer an den Nagel, „ein Schritt, den ich nie bereut habe“, wie er lachend erzählt. Durch die neue Tätigkeit kam Franz weit herum für das damals expandierende Unternehmen Rohde. Fast lückenlos treu geblieben sind seine Frau und er der privaten Adresse im Dammweg, wo Franz‘ Vater Anfang der 60er-Jahre das erste Wohnhaus dort errichtete – zur Verwunderung damaliger Ziegenhainer, denn der Bereich galt bis zum Bau der Rückhaltebecken als zu sumpfig. Einige Jahre wohnte man zwar in Treysa, doch nach dem Tod der Mutter 1978 rückübersiedelte die Familie, Vater Max starb 1988. Max wurde um wenige Jahre von Otto, dem Tabakwarenhändler, überlebt, sowie ihrer Schwester Else, die eine Nachzüglerin gewesen war.

Quelle: HNA

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