Schauspieler Karl Maslo zeigte einen schonungslosen Einblick in die Sucht

Ziel: Sich selbst aushalten

Mal komisch, mal knallhart: Karl Maslo (oben) zeigte in Fritzlar sein Stück zum Thema Sucht. Das Publikum (unten) war begeistert. Fotos: Mangold

Fritzlar. „Es wird Ihnen nicht alles gefallen, was ich heute Abend hier oben mache.“, So begrüßte Schauspieler Karl Maslo das Publikum im Haus des Karnevals in Fritzlar. „Hier geht’s zu wie im richtigen Leben: Mal ist es lustig, dann eher wieder gar nicht, und dann ist es aus“, stimmte er die Zuhörer auf sein Bühnenstück „Süchtig-relativ komischer Stoff“ ein, zu dem die Jugend- und Drogenberatung des Kreises anlässlich der Suchtwoche eingeladen hatte.

Von der ersten Minute an war er im Thema: Alkohol, Drogen, Gewalt, Verzweiflung, Hoffnung, Therapie und Absturz. Um die Welt der Abhängigkeiten dreht sich die Geschichte, beruhend auf einem autobiografischen Werk des Amerikaners Mark Lundholm, das der Schauspieler Karl Maslo mit eigenen Erfahrungen erweitert hat. Er habe die Originalfassung in der Kulturarena in Berlin gesehen und gedacht: „Hey, das ist ja mein Leben“, berichtete er.

Maslos Schauspielkarriere endete nach vielen erfolgreichen Arbeiten bei Film, Fernsehen und Bühne in der Sucht. Er nutzte seine Ausbildung als Trickbetrüger, um sich Geld für Drogen zu ergaunern, lebte auf Bahnhöfen, war ganz unten. Dann kam seine Kapitulation, so beschreibt er es, ein Höhepunkt der Verzweiflung. Als der Nullpunkt schon hinter ihm lag und es keine Flucht mehr gab, habe er ein starkes Gefühl tief in sich gespürt: „Ich habe noch eine Chance.“

Umkehr ist möglich

Das war am 23. September 2003, seit dem sei er clean und verspüre keinen Suchtdruck mehr, sagte er. Das Wissen, dass eine Umkehr und Heilung möglich ist, möchte er weitergeben mit seinem Theaterspiel, mit persönlichen Gesprächen und Workshops in Schulen, Therapieeinrichtungen und Gefängnissen. Die 240 Zuschauer des Abends, darunter viele Betroffene und Therapeuten, nahm Maslo mit auf seine Reise in die Welt der Sucht. Seine Art der Darstellung, die Kombination aus hervorragender Schauspielkunst, Humor, eigener Erfahrung und schonungsloser Offenheit, ließ das Publikum mal hemmungslos lachen, mal betroffen schweigen. „Er ist gut, das geht unter die Haut“, meinte Claudia Knöss.

Für einen kurzen Moment seien ihr die Tränen gekommen, habe sie schlucken müssen, beschreibt die Zuschauerin die eindringliche Wirkung der Theaterdarbietung.

Viele Betroffene aus dem Publikum fühlten sich verstanden: Maslo bringe den Wechsel zwischen Spaß und Ernst knallhart gut rüber, er selbst habe manche der dargestellten Phasen auch schon durchgemacht, meinte Stefan Schulz: „Wenn er das schafft, dann hab’ ich auch ‘ne Chance.“

Er gebe seine Erfahrungen weiter, aber auf provokante Art mit Humor, so dass die Süchtigen über ihre Laster lachen könnten, erklärte Maslo. Wenn einer klage: „Ich hab so Probleme mit meinen Eltern“ antworte er: „Ja, aber dafür sind Eltern doch da.“ Wichtig sei es, zu lernen, sich selbst anzunehmen, denn wer sich selbst nicht aushalte, komme auch mit anderen nicht zurecht.

Am Dienstag veranstaltete der Künstler einen Workshop über Sucht in der Erich-Kästner-Schule in Homberg.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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