Kunst aus Alltag und Stimmungen

Farbe und Pinsel sind für Jutta Schlier ein Sprachrohr

+
Von der grauen Raupe zum strahlenden Schmetterling: Jutta Schlier arbeitet seit 2009 als freischaffende Künstlerin, zeigt derzeit ihre abstrakten Acrylbilder auf Holz erstmals in ihrer Heimatstadt Zierenberg.

Zierenberg. Jeden Morgen meditiert Jutta Schlier und startet aus der Ruhe in den Tag. Ruhe, die Schlier braucht, wenn Farben und Pinsel zum Sprachrohr ihrer Gefühle werden.

Stille spielt eine große Rolle im Leben der 56-Jährigen. Selbst zählt sich Jutta Schlier eher zur ruhigen Sorte Mensch. Viel reden ist nicht ihr Ding, auch das Radio in der gemütlichen Küche ihres Hauses im Zierenberger Rosenthal darf gerne mal aus bleiben.

Als meditativ möchte sie ihre Art des Malens aber nicht bezeichnen. Als intuitiv schon, denn „da kommen Gedanken, immer wieder, allein deshalb, weil ich grundsätzlich Titel für die jeweiligen Bilder habe, bevor ich anfange zu malen“, so die gebürtige Rheinländerin, die seit 1986 in der Warmestadt zuhause ist.

Die Themen ihrer Kunst ziehe sie aus dem Alltag, aus verschiedenen Stimmungen, die ihr das Leben schenke. „Als mein Sohn im August geheiratet hat, war ich beispielsweise in so einer Phase des Beschwingtseins, voller Freude dessen, was ich da auf der Feier erleben durfte.“ Das habe sie mitgenommen in die Arbeit am nächsten Bild, das sie schlicht „Seligkeit“ nannte. „Das musste in Türkis und Lila sein“, sagt sie - warum, das wisse sie selbst nicht.

Alles komme tief aus ihrem Innern und habe etwas mit Dankbarkeit zu tun, „dass ich lebe, dass ich mich mit dem Leben auseinandersetzen durfte, durch Tiefen vielleicht einen anderen Zugang bekommen habe“, sagt Schlier, die seit ihrer Kindheit von der Malerei fasziniert ist. Wirklich auseinandergesetzt hat sie sich mit der Thematik aber erst mit etwa 17 Jahren. Damals noch nicht so farbenfroh wie heute, habe sie das Zeichnen mit Kohle- und Bleistiften favorisiert. „An Farben habe ich mich da noch nicht herangewagt, die waren zu kräftig, ganz anders als ich selbst.“

Die Farben voll auszuschöpfen, traute sie sich erst einige Jahre später. „Das war ein Entwicklungs- und Selbstfindungsprozess, irgendwann jedenfalls war es soweit.“ Ab den 90er- Jahren habe sie ein Studium der Theologie und die anschließende Tätigkeit als Gemeindereferentin stark beeinflusst, weitere Ausbildungskurse zur geistlichen Begleitung und zur Exerzitienbegleitung im Karmelitenkloster St.Teresa in Birkenwerder haben auf ganz eigene Weise ihren Malausdruck geprägt.

Von der grauen Raupe zum strahlenden Schmetterling gemausert, stellt Schlier seit 2009 regelmäßig aus, erstmals nun auch im Zierenberger Rathaus. Mit den dort seit Freitag zu sehenden Acrylbildern auf Holz möchte sie Menschen einladen, sich Zeit zu nehmen und den Alltag hinter sich zu lassen, vielleicht auch ein wenig die in ihnen verborgene Stille zu spüren. Stille, die ihr selbst so wichtig ist. 


Jutta Schlier im Internet

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare