Kein Platz für Intoleranz

Zierenberger verlasen die Namen von 48 ehemaligen jüdischen Mitbürgern

Erinnerung und Mahnung: Hermann Giesendorf, Pfarrerin Katja Friedrich-Warnke und Bürgermeister Stefan Denn (von links) gedachten mit vielen Mitbürgern den Pogromen in der Stadt . Foto: zih

Zierenberg. 48 Namen von Frauen, Männern und Kindern lasen Zierenbergs evangelische Stadtpfarrerin Katja Friedrich-Warnke und Hermann Giesendorf als Vertreter der örtlichen katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Wechsel vor, um an die Opfer der Pogromnacht am 9. November 1938 zu erinnern. 

Diese Nacht war der Beginn der vom damaligen nationalsozialistischen Regime organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Die Pogrome markierten den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die dann später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten (NS) mündete. Insgesamt wurden dabei 6,3 Millionen Juden ermordet.

Auch in Zierenberg wütete der menschenverachtende NS-Terror, forderte seine Opfer unter den bis dahin friedliebenden und geachteten jüdische Mitbürgern. Wobei die Pogrome in Zierenberg schon einen Tag vor dem 9. November 1938 ihren Höhepunkt erreichten. Nicht nur mit der blindwütigen Zerstörung von jüdischen Geschäften und Wohnungen, sondern auch mit der Schändung des jüdischen Friedhofs und dem Brandanschlag auf die Synagoge.

Katja Friedrich-Warnke als auch Bürgermeister Stefan Denn traten entschieden den sich wieder immer lauter werdenden Stimmen entgegen, „dass man es langsam einmal mit dem Schicksal der Juden in Deutschland gut sein lassen sollte.“ Die Pfarrerin: „Nein, wir dürfen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte nicht zu den Akten legen, die grausame Gewalt an jüdischen Mitbürgern nie in Vergessenheit geraten lassen.“ Denn für die auch heute wieder aufkeimende Intoleranz, Hass und Gewalt, so die Seelsorgerin weiter, darf es in unserer Gesellschaft keinen Platz geben. Stefan Denn: „Die Pogrome dürfen nie in Vergessenheit geraten, wie auch die 48 Namen unserer verfolgten, verhafteten und ermordeten Zierenberger Mitbürger.“ Musikalisch mitgestaltet wurde die Gedenkfeier vom örtlichen Posaunenchor. (zih)

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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