Hans Soltau (87) erinnert sich an seine Arbeit für die Kriegsgräberfürsorge

Die Zigarre des Kanzlers

Dicke graue Aktenordner: Hans Soltau notiert alles, was ihm Bemerkenswertes über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in den Sinn kommt. Foto: Sommerlade

Zierenberg. Notizzettel und Stift hat Hans Soltau immer griffbereit. Wann immer dem 87-Jährigen etwas Bemerkenswertes in den Sinn kommt, notiert er es, um es gleich darauf im dicken, grauen Aktenordner mit der Aufschrift „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ zu verstauen.

Der Senior ist seit mehreren Jahren damit beschäftigt, eine Chronik über den Volksbund Deutsche Kriegsgräber zu verfassen. Für seine aufwändige Recherche hat er diverse nationale und internationale Archive besucht und dabei historische Fakten gesammelt, geordnet und in chronologischen Zusammenhang gebracht. Was einfacher klingt, als es tatsächlich war. „Es war eine sehr mühsame Arbeit, vergleichbar mit einem riesigen Puzzle.“ Hinzu kam, dass viele Texte in fremder Sprache verfasst waren.

Doch schwierige Aufgaben sind dem Mitbegründer der Jugendarbeit des Volksbundes hinlänglich bekannt. Lange Jahre war der gebürtige Hamburger Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. In diesem Kontext meisterte er viele berufliche Herausforderungen auf ebenso charmante wie diplomatische Art.

So wie beim Treffen mit Konrad Adenauer beim Ersten Internationalen Seminar im Bundestag anlässlich der Volkstrauertags-Feier 1962, als er kurzerhand mit einem französischen Übersetzer aus den eigenen Reihen aushalf. An den Kommentar des Kanzlers erinnert er sich noch genau: „Sie sind aber ne jute Dolmetscher.“

In Erinnerung geblieben sind ihm aber auch Begegnungen mit Albert Schweitzer, mit Gustav Heinemann, Willy Brandt oder Ludwig Erhard. „Er hatte immer eine Zigarre in der Hand“, erinnert sich Soltau lachend. Beim offiziellen Begrüßungsakt habe er selbige in einem Blumentopf abgelegt und sie nachher vergeblich gesucht. „Erst abends klärte sich die Angelegenheit. Ein französicher Bürgermeister hielt die Kanzlerzigarre triumphierend in den Händen und rief: „Voilà, le cigare du Monsieur le Chancelier (Hier ist die Zigarre des Kanzlers).“

Zum Volksbund kam Soltau wegen seiner Idee, eine Volksbund-Jugendarbeit ins Leben zu rufen. Der Gedanke kam ihm während seiner russischen Kriegsgefangenschaft. Wie können Menschen nach all dem Geschehenen wieder miteinander umgehen? Diese Frage beschäftigte ihn. Die Antwort lag für Soltau auf der Hand. „Der Weg konnte nur über junge Menschen führen. Sie sind unbelastet und zugänglich für neue Ideen und Impulse.“

Als er aus der Gefangenschaft zurückkehrte, ließ ihn der Gedanke an eine friedliche Zukunft nicht mehr los. Daher schrieb er all seine Gedanken in einen Brief und rannte mit diesem beim Volksbund in Nienburg offene Türen ein. 1950 wurde er zunächst probeweise zur Verwirklichung seiner Ideen in Lüneburg eingesetzt, nach zwei Jahren bereits in die Bundesgeschäftsstelle nach Kassel berufen. Als erster Sachbearbeiter für Jugendfragen baute er voller Enthusiasmus die Jugendarbeit aus – unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern“. Soltaus Idee war es, Versöhnung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu erreichen und somit Voraussetzungen für den Frieden zu schaffen.

Von Martina Sommerlade

Quelle: HNA

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