Nur der Zigarrenqualm fehlt

Alte Dorfkneipe "Martinsklause" steht nun mitten im Hessenpark

Wirkt von außen wie früher: Die Martinsklause im Hessenpark. Foto: privat

Remsfeld/Neu Anspach. Wo sich früher die Remsfelder auf ein Bier trafen, in der Martinsklause, da gehen jetzt die Besucher des Hessenparks ein und aus, können sogar übernachten. Die Dorfkneipe, die noch vor 38 Jahren mitten in Remsfeld am Dorfplatz stand, wurde nun wieder im Hessenpark aufgebaut und jetzt offiziell eingeweiht.

Dorthin fuhr auch eine Delegation Remsfelder. 125 Menschen aus dem Ort rollten mit drei Bussen nach Neu Anspach, um zu sehen, wie die Kneipe nun da steht und in Erinnerungen zu schwelgen.

Sie erzählten sich Geschichten, wie sie als Kinder in den 60er-Jahren sonntags Fury im Fernsehen schauten, weil damals kaum einer einen eigenen Fernseher besaß. „Dazu gab es eine Sinalco, die kostete 50 Pfennig“, sagt der Remsfelder Jürgen Jurgilewitsch.

Er war total verblüfft, wie echt die Kneipe aussieht. „Das ist genauso wie früher“, sagte er. Nur der typische Geruch aus abgestandenen Bier und Zigarrenqualm fehlt, erinnert er sich. Männerchor und Posaunenchor aus Remsfeld gestalteten die Feier mit.

Die Martinsklause war 1976 in Remsfeld abgebaut worden. Sie war 35 Jahre im Hessenpark eingelagert. Von außen sei die historische Ansicht noch deutlich zu erkennen. Zwei Drittel blieben nach dem Abriss erhalten, die Einzelteile wurden nach Neu-Anspach gebracht. Architekten rekonstruierten die zugehörige Scheune anhand von Bildern. Wandvertäfelung, die Wandmalereien im Tanzsaal und die alte Musikbox sind wieder Teil des Ambientes. Das Gebäude aus dem Jahr 1723 sei ein gutes Beispiel für eine Mischnutzung durch Landwirtschaft und Gewerbe, wie sie in ländlichen Regionen Hessens häufig vorkam.

Hinweis: 

Die Ausstellungsräume sind vom 1. März bis 31. Oktober von 9 bis 18 Uhr zugänglich.

Im 1. Stock des Gebäudes informieren Schautafeln über Remsfeld und die Geschichte der Schänke. Außerdem sind zwei Gästezimmer im Stil der 1950er-Jahre eingerichtet, die früher vermietet wurden - und auch jetzt bewohnt werden können. Ebenfalls im 1. Stock wecke der große Tanzsaal Erinnerungen an glanzvolle Feste. Der Raum kann für private Feiern gebucht werden. Die Gaststätte ist bereits seit Ende Juli in Betrieb und wird von den Besuchern des Freilichtmuseums genutzt. In der ehemaligen Scheune gibt es eine Dauerausstellung zum Bierbrauen.

Die Martinsklause ist die erste, täglich geöffnete Gaststätte im Hessenpark. Bislang gab es nur auf dem Marktplatz vor den Toren des Museums eine Wirtschaft. Für die Rekonstruktion der Martinsklause arbeitete Projektleiter Ralf Nitschke mit dem Heimatverein Remsfeld zusammen. 2,9 Millionen Euro kostete das Projekt.Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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