Zirkuselefant wurde erneut als Angreifer auffällig

Melsungen. Ein schlimmer Unfall mit einem Zirkuselefanten weckt Erinnerungen an einen Vorfall, der sich vor zehn Jahren in Melsungen ereignet hat: Damals wurde eine Frau nahe dem Festplatz am Sand von dem Dickhäuter durch einen Rüsselhieb krankenhausreif geschlagen.

Jetzt hat derselbe Elefant im schwäbischen Leutkirch einen Mann, der einen Säugling auf dem Arm hielt, vier Meter durch die Luft geschleudert und beide schwer verletzt. Das gibt Tierrechtlern Auftrieb, die schon seit längerem die Tierhaltung des Familienbetriebs sowie in Zirkussen generell kritisieren.

Im Blickpunkt steht eine 26-jährige afrikanische Elefantenkuh, die von dem Zirkus unter dem männlichen Namen „Benjamin“, zum Teil auch unter anderen Namen vorgeführt wird. Das hatte sich Anfang August 2000 in Melsungen ereignet:

Eine damals 32-jährige Radlerin und ihre sechsjährige Tochter passierten das Festgelände am Fuldaufer. Zirkusmitarbeiter hatten den Elefanten auf eine angrenzende Wiese gebracht, weil die Unterkunft des Tieres ausgemistet werden sollte. Als sich Mutter und Kind dem Elefanten aus Neugier näherten, versetzte dieser der Frau einen Schlag mit dem Rüssel.

Die 32-Jährige wurde mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht, die Sechsjährige erlitt einen Schock. Die Melsunger Polizei, die damals den Vorfall aufgenommen und unserer Zeitung gemeldet hatte, kann heute nicht mehr sagen, ob dem Zirkus oder den Passanten damals ein Fehlverhalten vorgeworfen worden war.

Das aktuelle Unglück ereignete sich am Freitag, 17. September, während einer Betriebsfeier in Leutkirch: Mit der Elefantenkuh des Zirkus, der gleichzeitig am Ort gastierte, sollte ein Gruppenfoto der Mitarbeiter gemacht werden, berichten die örtlichen Medien. Direkt neben dem Tier stand nach deren Angaben ein 24-jähriger Familienvater, der seinen kleinen Sohn auf dem Arm hielt.

Bei den Vorbereitungen für das Foto habe sich der Elefant unvermittelt umgedreht, den Mann samt Baby mit den Stoßzähnen aufgeladen und in die Luft gewirbelt. Beide stürzten aus einer Höhe von vier Metern und wurden schwer verletzt. Der 24-Jährige wurde mit dem Hubschrauber in eine Klinik geflogen, wo ihm eine Niere entnommen werden musste. Er ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Das neun Monate alte Kleinkind erlitt einen Oberschenkelbruch.

Zeugen sagten, die Elefantenkuh habe sich zunächst friedlich verhalten und sich auch streicheln lassen. Eine Zirkusvertreterin meinte, das Tier habe sich dann wohl erschrocken, als jemand seine Stoßzähne berührt habe. Das sei ein antrainierter Reflex.

Die Frau sprach von einem tragischen Unfall und wies die scharfe Kritik zurück, die die Tierrechtsorganisation Peta an ihrem Unternehmen übt. Der Elefant sei nicht bösartig, und der Vorfall sei nicht das Ergebnis schlechter Tierhaltung, teilte der Zirkus gegenüber den Medien mit.

Nach gefährlichen Vorfällen mit Zirkustieren hatte die Stadt Kassel zum Anfang dieses Jahres eine Verordnung erlassen, wonach Zirkusse keine Wildtiere mehr auf städtischem Grund zeigen dürfen. Anlass war der Angriff eines ausgerissenen Bären auf einen Polizisten gewesen.

Wie berichtet, hat das Kasseler Ordnungsamt jedoch das Wildtierverbot wieder aufgehoben. Zur Begründung wurde genannt, dass Gerichte solche örtlichen Verbote regelmäßig gekippt hätten mit dem Hinweis auf das bundesweit gültige Tierschutzgesetz.

Quelle: HNA

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