Ein Jahr und drei Monate Haft

Zugehauen ohne Grund: 25-Jähriger in Treysa verurteilt

Treysa. Der Angeklagte hatte es vermutlich schon geahnt. Bei sechs Anklagen wegen Körperverletzung und Beleidigung hielt sich die Milde des Schöffengerichts verständlicherweise in Grenzen. Am Ende hieß es für den 25-jährigen Mann aus dem Altkreis Ziegenhain ein Jahr und drei Monate Haft. 

Noch im Gerichtssaal kündigte der Arbeitssuchende an, in Berufung gehen zu wollen.

Über zweieinhalb Stunden setzte sich das Schöffengericht mit den Straftaten des Mannes auseinander. Innerhalb eines halben Jahres hatte der 25-Jährige andere Menschen aus nichtigsten Beweggründen geschlagen und drangsaliert. Zehn Zeugen waren geladen, größtenteils Opfer des Angeklagten. Obwohl unter Bewährung stehend, habe der Angeklagte eine regelrechte Körperverletzungsserie hingelegt, brachte es der Richter in der Urteilsbegründung auf den Punkt und lehnte eine von der Verteidigung ins Spiel gebrachte erneute Bewährungsstrafe rigoros ab: „An die kann man hier wirklich nicht glauben.“

Lediglich beim Vorwurf der häuslichen Gewalt stellte sich der Sachverhalt anders dar als ursprünglich angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte seine Lebensgefährtin im letzten Sommer geschlagen. Bei einem Vorfall flog eine Schachtel Feuchttücher in das Gesicht der Frau. Dabei sei die Lebensgefährtin unter anderem am Mund verletzt worden, so die Vertreterin der Anklage.

Der 25-Jährige bestritt die Tat vehement. Er habe im Streit lediglich mit den Feuchttüchern geworfen, so der Mann: „Ich schlage meine Frau nicht. Ich habe das jahrelang bei meiner Mutter gesehen und das hat mir wehgetan.“ Sie habe ihren Freund damals fälschlicherweise angezeigt, erklärte die 24-jährige Lebensgefährtin überraschend und blieb auch auf Nachfrage seitens des Richters bei ihrer Aussage. Sie habe es aus Frust, Wut und Stress über die eigene Familie getan, so die Frau mit Tränen in den Augen: „Das ich den Vater meiner Kinder jetzt in eine solche Situation gebracht habe, das macht mich fertig.“

„Ich schlage meine Frau nicht. Ich habe das jahrelang bei meiner Mutter gesehen und das hat mir wehgetan.“

Der Angeklagte

Seine anderen Taten räumte der Mann im Wesentlichen ein. Welch hohes Maß an Gewaltbereitschaft der 25-Jährige an den Tag legte, zeigte die Aussage einer Polizistin. Der Angeklagte sei bei einer Gefährderansprache bitterböse und hoch aggressiv gewesen, erinnerte sich die Beamtin: „Der hat ja nur getobt. Sein Hund war genauso böse wie er.“

Zu verschiedenen Gelegenheiten bekamen drei Zeugen von dem Mann Ohrfeigen und Kopfnüsse verpasst. „Als ich mich umdrehte, hat er mir plötzlich ins Gesicht geschlagen,“ berichtete ein 27-Jähriger dem Gericht.

Exemplarisch für die Willkür des 25-Jährigen ist eine im vergangenen November begangene Tat. Damals ließ der Mann grundlos seinen Hund auf einen 19-Jährigen los. Er habe sein Opfer mit einer anderen Person verwechselt, so der Arbeitssuchende entschuldigend: „Ich dachte, das wäre ein Paul.“

Der Angeklagte sei ein Mensch mit sehr niedriger Hemmschwelle, stellte die Staatsanwältin fest und beantragte eine Haftstrafe: „Es kann nicht sein, das jemand Angst haben muss, der Sie nur einmal schief anschaut.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / David Ebener/

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