Zehntausende machen Rast

Tiere leiden unter Kälte: Vögel sind erschöpft

Schwalm-Eder. Nicht nur wir Menschen leiden unter dem schier endlosen Spätwinter, auch der Tierwelt macht die außergewöhnliche Witterung sehr zu schaffen.

Die eiskalten Nordostwinde und winterlichen Verhältnisse im Osten Deutschlands führen dazu, dass tausende Zugvögel ihre Wanderung unterbrechen müssen.

Überall auf den Wiesen und in den Auenbereichen in Nordhessen rasten seit Tagen riesige Vogelschwärme. Allein im Schwalm-Eder-Kreis zählten die Vogelkundler mehr als 15.000 Kiebitze, 10.000 Stare und 50.000 Feldlerchen, dazu einige hundert der sonst sehr seltenen Goldregenpfeifer und sogar rastende Kraniche.

Von der Bekassine, dem Vogel des Jahres 2013, wurde mit einem Schwarm von mindestens 210 Tieren sogar die bislang größte Anzahl beobachtet. Diese für die betroffenen Vögel sehr kritische Situation wird von den Fachleuten als „Zugstau“ bezeichnet. Das Zuggeschehen staut sich infolge des eiskalten Gegenwindes und der Schneedecke in den Zielgebieten.

Die Zugvögel warten nun schon seit mehr als zwei Wochen auf eine Wetterbesserung, finden angesichts der Frostnächte aber auch in unserem Bereich oft nicht genug Nahrung. Da kann jede Störung zum Todesurteil werden, wenn sich die beim Auf- und Umherfliegen verbrauchte Energie nicht schnell genug ersetzen lässt.

Wer die Vögel beobachten möchte oder während eines Spaziergangs in Wiesen und Feldern zufällig auf solche Schwärme trifft, sollte sich ihnen unter keinen Umständen weiter als 200 bis 300 Meter nähern und Hunde sofort anleinen. Führt der geplante Weg direkt an den Vogelschwärmen vorbei: Lieber einen Umweg in Kauf nehmen, als für den Tod von Zugvögeln verantwortlich zu sein.

In dieser Zeit zeigt sich die Bedeutung der Auen und Naturschutzgebiete besonders deutlich: Die meisten Rastvögel halten sich auf Wiesen und Wasserpfützen auf, die Ackerflächen werden hingegen kaum genutzt. Ohne die Naturschutzmaßnahmen zum Erhalt der Feuchtwiesen wären die Verluste unter den Zugvögeln noch viel größer.

Die einheimischen Brutvögel reagieren unterschiedlich auf die Kälte: Manche Arten wie Rabenkrähen, Elstern und Weißstörche lassen sich im Brutgeschäft kaum stören. Andere, wie Meisen, Finken oder Amseln, haben nicht einmal mit dem Gesang begonnen und bevölkern nach wie vor die Winterfutterplätze.

Wer mithelfen möchte, das Ausmaß des Zugstaus und der Verluste zu dokumentieren, kann seine eigenen Beobachtungen auf der Internet-Seite www.ornitho.de oder telefonisch unter 0 66 91/33 09 (ggf. Nachricht auf Anrufbeantworter) melden.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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