Zuhause auf Zeit: Stiftung Beiserhaus betreut minderjährige Flüchtlinge

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Sie haben viele Baustellen: Vizedirektor Jens Barkhoff (links) und Direktor Harald Recke stehen der Stiftung Beiserhaus vor. Die stand in den vergangenen beiden Jahren mit Flüchtlingskrise und Neubauten vor vielen Herausforderungen. Gerade wurde die Kfz-Werkstatt am Standort Rengshausen komplett neu gebaut. Im Hintergrund die Verwaltungsgebäude der Stiftung. 

Rengshausen. Wenn Harald Recke an die beiden vergangenen Jahre denkt, dann fällt ihm nur eines ein: Arbeit. Richtig viel Arbeit.

Denn mit dem Flüchtlingsstrom des Jahres 2015 kam eine Herausforderung auf die Stiftung zu, die die Mitarbeiter auch 2016 in jeder Hinsicht beschäftigte - und sie auch im neuen Jahr weiter beschäftigen wird.

Die Aufgabe

Im Jahr 2015 wurden 42 000 jugendliche Flüchtlinge bundesweit in Obhut genommen. Da die Jugendämter keine eigenen Einrichtungen haben, riefen sie in Krisensitzungen Jugendhilfeeinrichtungen zusammen und baten dringlich darum, Plätze einzurichten. Die Stiftung Beiserhaus reagierte. Sie nutzte freie Räume, mietete Gebäude, renovierte, sichtete und schuf so schnell es ging Wohnungen und Unterkünfte für 60 junge Flüchtlinge. Nicht nur im Schwalm-Eder-Kreis, sondern auch in Hersfeld-Rotenburg und Kassel. Die Stiftung habe versucht, in allen Landkreisen die Quoten zu erfüllen und den Jugendlichen ein Zuhause auf Zeit zu geben. „Wir waren gefordert - so wie ganz Deutschland,“ sagt Harald Recke.

Die Folgen

Es mangelte an Personal. Die Zahl der zu Betreuenden stieg binnen kürzester Zeit an - die der Betreuer nicht. „Der Markt war im Winter 2015 wie leer gefegt“, sagt Recke. Die Stiftung gewann dennoch 40 neue Mitarbeiter.

Verwaltungsangestellte, Pädagogen, Hauswirtschafter: Die Liste der Neuzugänge ist lang. Sie alle ins Team und die Aufgabe zu integrieren und die neue Situation auf die Spur zu bringen, das war die Aufgabe des Jahres 2016 für die Stiftung.

Dabei half eine weitere Personalie: Betriebswirt Jens Barkhoff ist seit April 2016 neuer Vizedirektor, der Leiter Harald Recke unterstützt. Der steht der Stiftung Beiserhaus seit 18 Jahren vor, beschreibt aber die vergangenen beiden Jahre als größte Kraftanstrengung seiner Berufszeit.

Die Perspektiven

Auch wenn die Herausforderung gemeistert ist, wird 2017 kein Jahr zum Durchatmen. Im Januar wird die neu errichtete Kfz-Werkstatt fertig, in der zwei Ausbilder, fünf Lehrlinge und zwei Praktikanten die Fahrzeuge des eigenen Fuhrparks und die externer Kunden warten.

Dann wird die veraltete Heiztechnik gegen eine zentrale moderne Hackschnitzel-anlage ausgetauscht, eine Unterkunft in Hess. Lichtenau soll energetisch saniert werden. „Die Baustellen gehen uns nicht aus“, sagt Jens Barkhoff.

Das neue Jahr steht ganz im Zeichen des nachhaltigen Wirtschaftens: Das Leben und Arbeiten im Beiserhaus soll so ressourcenschonend wie möglich sein. Klingt wie eine neue Herausforderung. Aber nach der Erfahrung der vergangenen beiden Jahre ist klar: Auch das wird das Team des Beiserhauses schaffen.

Beiserhaus war eine Anstalt für "Verwahrloste"

Die Stiftung Beiserhaus entstand aus der „Rettungsanstalt für verwahrloste Jugendliche“, die Pfarrer Emil Rausch in Rengshausen 1844 gegründet hatte. Er hatte jungen Menschen, die in Armut lebten und deswegen kaum Entwicklungschancen hatten, im Beiserhaus persönliche Zuwendung und neue konkrete Zukunftsperspektiven geben wollen. Damals wie heute ist das Ziel das Selbe: Jugendliche zu unterstützen, die einen schwierigen Start ins Leben haben. Dafür sollen familiäre Strukturen in kleinen Gruppen und ein hoher Personalschlüssel sorgen. Eine weitere Aufgabe ist die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Über 100 junge Menschen, die ohne Eltern aus Krisengebieten eingereist sind, leben mittlerweile in verschiedenen Wohngruppen und im Betreuten Wohnen.

Zahlen, Daten, Fakten
Die Stiftung Beiserhaus ist längst nicht nur in Rengshausen, sondern auch an 17 weiteren Standorten aktiv. 230 Jugendliche werden in den Landkreisen Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner und Schmalkalden-Meiningen in Thüringen betreut und ausgebildet. Darunter befinden sich 60 junge Menschen, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kamen und für die die Stiftung Plätze geschaffen hat. Dafür wurde viel Personal benötigt: 40 neue Mitarbeiter wurden im vorigen Jahr eingestellt. Insgesamt arbeiten zurzeit 250 Menschen für die Stiftung.

www.beiserhaus.de

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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