Zukunft des Bahnhofs: Für Fördergeld muss Guxhagen in die Puschen kommen

Das dreiteilige Bahnhofsgebäude in Guxhagen: Um an Fördergeld für einen Abriss oder eine Sanierung zu kommen, ist ein Nutzungskonzept samt detailliertem Kostenplan nötig. Foto: Grugel

Guxhagen. Soll der Bahnhof in Guxhagen saniert, abgerissen oder verkauft werden - oder soll das Gebäude ungenutzt verfallen?

Diese Fragen muss die Politik beantworten. An die Optionen Abriss und Sanierung knüpfen sich Fragen und Antworten.

Um was für ein Gebäude handelt es sich beim Bahnhof Guxhagen mit Blick auf Alter, Größe und Substanz?

Die Kasseler Architektur- und Planungsgesellschaft ANP datiert das Baujahr in einer Studie (Stand 2014) ums Jahr 1900. Das dreiteilige Bauwerk mit Güterhalle, Empfangsgebäude und Anbau hat eine Gesamtfläche von 972 Quadratmetern. Laut Studie befinden sich alle Gebäudeteile in einem durchschnittlichen und erhaltungswerten Gesamtzustand.

Was kostet eine Gebäudesanierung und was ein Abriss?

Die ANP-Studie schätzt die Kosten für eine Sanierung auf 768.000 und für einen Neubau inklusive Abriss auf 915.000 Euro. In der Gemeinde kursieren Kostenschätzungen für einen Abriss ohne Neubau in Höhe von 55.000 Euro.

Kann die Gemeinde für die Varianten Abriss, Sanierung oder Neubau mit Zuschüssen rechnen?

Alle Varianten sind förderfähig. Die Höhe der Zuschüsse ist dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) zufolge abhängig vom jeweiligen Nutzungskonzept. Ausschlaggebend für die Förderquote ist unter anderem die zu erwartende Nutzerfrequenz des Bahnhofs - von vielen Nutzern verspricht man sich beispielsweise eine hohe soziale Kontrolle - und der Nutzungsgrad für Reisende: in dieser Hinsicht wäre beispielsweise die Sanierung von Räumen für einen Backshop zu 100 Prozent förderfähig.

Gibt es Beispielrechnungen, die aufschlüsseln, wie viel Fördergeld es geben könnte und was am Ende die Gemeinde noch zu stemmen hätte?

Der NVV berät und begleitet die Gemeinde bei einem Förderantrag. Für eine seriöse Beispielrechnung bräuchte der Verkehrsverbund von einem Architekturbüro neben einem Nutzungskonzept unter anderem eine Entwurfsplanung, einen Ausführungsplan und ermittelte Kosten für alle Gewerke. Groben Schätzungen zufolge könnte die Gemeinde mit einem guten Nutzungsmix mit um die 50 Prozent Zuschuss zum Gesamtprojekt rechnen. Auch für einen Abriss gäbe es Geld, sofern beispielsweise Parkplätze, ein Toilettenhaus oder ein Kiosk errichtet werden sollen. Die Förderquote wäre laut NVV allerdings geringer. Sie ist zudem ohne Konzept nicht seriös kalkulierbar.

Reicht die ANP-Studie von 2014 mit ihren Kostenschätzungen für die Sanierung für einen Förderantrag?

Das war nicht Sinn und Zweck der Studie. Sie müsste mindestens um ein Nutzungskonzept und einen damit verbundenen detaillierten Kostenplan ergänzt werden, um Grundlage für einen Förderantrag zu sein.

Die Politik hat den Gemeindevorstand beauftragt, für vier Bauvarianten auf der Grundlage eines Angebotes eines Bauunternehmers Kosten zu ermitteln. Laut Bürgermeister sind für belastbare Kostenansätze eine Ausschreibung aller Varianten samt der Einzelgewerke nötig - ohne Nutzungskonzept erscheine das fragwürdig. Dreht sich die Gemeinde im Kreis?

Im Prinzip ja. Um an Fördergeld des Landes Hessen zu kommen, muss laut NVV ein prüfbarer Antrag vorliegen. Der Verkehrsverbund unterstützt die Gemeinde bei der Antragstellung und übernimmt die Hälfte der Planungskosten. Kostenschätzungen eines Unternehmers ohne Nutzungskonzept reichen nicht für einen prüfbaren Antrag.

Ob Abriss oder Sanierung - wie lange kann ein Förderantrag gestellt werden?

Im Prinzip immer. Laut NVV läuft ein derzeit laufendes Landesprogramm allerdings im Jahr 2018 aus. Das laufende Programm ist zurzeit mit ausreichend Mitteln ausgestattet. Stichtag für eine Antragstellung in diesem Jahr ist Ende Mai.

Hintergrund: Sie wollen den Bahnhof nutzen

Die Guxhagener Bäckerei und Konditorei Most hat Interesse am Bahnhofsstandort signalisiert. In einem Schreiben an die Gemeinde äußert Inhaber Ulrich Most die Absicht, im Bahnhof einen Backshop kombiniert mit einer Kleingastronomie mit etwa 20 Sitzplätzen betreiben zu wollen. Weiter möchte Claudia Heuer zusammen mit Kollegen ein Versicherungsbüro im Bahnhof einrichten. Ferner hat der Verein Depash Nordhessen Interesse bekundet: „Falls es zu einem Aus- oder Umbau des Bahnhofsgebäudes in Guxhagen kommt, würden wir dort gerne Räumlichkeiten nutzen und natürlich auch für die Guxhagener Bürger und Flüchtlinge öffnen“, teilte die Vereinsvorsitzende Angelika Löwer der Gemeindeverwaltung Guxhagen mit. Schließlich hat Bürgermeister Edgar Slawik unter anderem die Vorstellung geäußert, den Bahnhof den Vereinen und der Öffentlichkeit zur Nutzung anzubieten. Dort könnten beispielsweise auch Kulturveranstaltungen stattfinden.

Quelle: HNA

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