ASB und Rotes Kreuz: Es gibt zu wenige Freiwillige

Zukunft ohne Zivis könnte teuer werden

Wolfhager land. Falls die Bundesregierung in den kommenden Wochen die Wehrpflicht beerdigt, stirbt auch der Zivildienst. Arbeiter-Samariter-Bund und Deutsches Rotes Kreuz beschäftigen die meisten Zivildienstleistenden im Altkreis und fürchten ihren Verlust: Er würde ein Loch in die Personaldecke reißen, bestätigten die Wohlfahrtsverbände auf Anfrage unserer Zeitung.

Insgesamt 20 junge Männer leisten zurzeit Wehrersatzdienst bei ASB und DRK im Wolfhager Land. Sie fahren Behinderte zu Betreuungseinrichtungen, liefern Essen aus oder arbeiten für den Hausnotruf. „Zivis leisten wertvolle Arbeit“, sagt Michael Hillmann, Vorsitzender des ASB Kassel-Nordhessen.

Wertvolle Arbeitskräfte, vom Staat finanziert – was würde passieren, wenn sie in Zukunft wegfallen würden? „Die wenigen qualifizierten Bewerber für ein Freiwilliges Soziales Jahr würden die Lücke nicht füllen können“, sagt René Onimischewski vom DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen. Viele Schulabgänger seien nicht bereit, einen Freiwilligendienst zu leisten – oder ihnen fehlten die Voraussetzungen, etwa der Besitz eines Führerscheins.

Michael Görner, Geschäftsführer des ASB Kassel-Nordhessen, denkt sogar schon einen Schritt weiter: „Um die freiwerdenden Stellen zu besetzen, müssten wir zusätzliche Teilzeitkräfte einstellen.“

Welche Folgen dies nach sich zieht, beschreibt Michael Hillmann vom ASB: „Erst würden unsere Ausgaben in die Höhe steigen – und dann die der Krankenkassen.“ Letztendlich würden die Versicherten draufzahlen oder unter der einbrechenden Qualität der Hilfeleistungen leiden.

Trotz aller Befürchtungen kann ASB-Geschäftsführer Görner der Abschaffung des Zivildienstes etwas Positives abgewinnen: „Wer statt Zivildienstlern Teilzeitkräfte einstellt, kurbelt den Arbeitsmarkt an.“ Hintergrund, Zum Tage, Seite 3

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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