Interview mit Sven Gabor Janszky

Zukunftsforscher: Taxis werden kostenlos  

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Die Zukunft ist nah: Selbstfahrende Autos werden die bestimmenden Fahrzeuge auf den Straßen. Der öffentliche Personennahverkehr wird kostenlos werden, prognostizieren Zukunftsforscher. Im Bild: Ein autonom fahrender Bus auf einer Teststrecke. 

Melsungen. Den Einzelhandel, wie wir ihn kennen, wird es in einigen Jahren nicht mehr geben. Das prognostiziert Sven Gabor Janszky. Der 45-Jährige ist Zukunftsforscher und Gründer der bekannten Denkfabrik 2b Ahead aus Leipzig.

Janszky ist am Sonntag Gastredner beim öffentlichen Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbandes in Melsungen. Die Aussichten für Mittelzentren wie Melsungen seien dennoch sehr gut. Das liege unter anderem am künftig kostenlosen und rund um die Uhr verfügbaren Personennahverkehr.

Herr Janszky, wie sicher treffen Ihre Prognosen ein?

Sven Gabor Janszky: Zukunftsforschung ist keine Hellseherei, sondern eine Wissenschaft. Wir befragen Entscheider aus der Wirtschaft und anderen Bereichen.

Also solche Menschen, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit größeren Einfluss auf künftige Entwicklungen haben als andere?

Janszky: Genau. Weltweit sind das immerhin mehr als 1500. Daraus ergibt sich ein gutes Bild, welche Technologien vor der Markteinführung stehen und welche Veränderungen es an den Märkten geben wird.

In ihren Studien steht, dass der öffentliche Personennahverkehr kostenlos sein wird. Wie das?

Janszky: Selbstfahrende Fahrzeuge werden in den 2020er-Jahren serienmäßig produziert und die vorherrschenden Fahrzeuge sein. Es besteht dann keine Notwendigkeit mehr, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Diese Autos werden Menschen von A nach B bringen.

Wegen der Fülle der Fahrzeuge nach und nach auch kostenlos.

Janszky: Und weil viele Unternehmen ihren Fuhrpark zur Verfügung stellen. Derzeit steht ein privates Auto mehr als 90 Prozent. Es fährt nicht.

Das heißt, in Melsungen könnte beispielsweise B. Braun selbstfahrende Fahrzeuge in Melsungen quasi als Taxis einsetzen.

Janszky: Sicher, wenn diese gerade nicht benötigt werden, warum nicht. Über Mobiltelefone bestellt man sich ein Auto. Die Rechenleistung von Computern wird immens sein. Eine Leitstelle errechnet in ihrer Umgebung die optimalen Routen und disponiert die Fahrzeuge.

Der Service wird außerdem rund um die Uhr verfügbar sein.

Janszky: An sieben Tagen in der Woche. Gleichzeitig nehmen die Verletzten und Toten im Straßenverkehr ab. In 92 Prozent der Unfälle ist der Grund menschliches Versagen und nur in acht Prozent technisches.

Sie sagen, dass der ländliche Raum so aufgewertet wird.

Janszky:Wenn jeder zu jeder Tages- und Nachtzeit mobil ist, spielt es eine viel kleinere Rolle, wo sie leben. Dass Eltern ihre Kinder ständig umherfahren, entfällt. Das übernehmen selbstfahrende Autos. Arztbesuche und am späten Abend nach dem Kino in Kassel vor die Haustür gefahren werden: alles kein Problem mehr. Die perfekten Autos für diesen Zweck sind acht- bis zwölfsitzige Minibusse.

Sie sagen auch, der Onlinehandel ist nicht aufzuhalten.

Janszky: Der stationäre Handel wird sich jedenfalls enorm verändern. Dort sind viele Entwicklungen auch konkret absehbar.

Und wohin geht die Reise?

Janszky: Der stationäre Einzelhandel wird ein absolutes Premiumsegment. Niemand wird mehr wegen kleinerer Artikel ein Geschäft besuchen. Der Massenmarkt wird keine Chance haben. In den Innenstädten wird dennoch gebummelt, aber nicht, um einzukaufen, sondern, um sich zu informieren, Dinge anzufassen und um zu zeigen, dass man es sich leisten kann.

Stehen unsere Innenstädte dann leer oder dominieren dort Dienstleister?

Janszky: Wie gesagt, es wird Showrooms geben und Leistungsanbieter. Wir sprechen dabei nicht von Dienstleistern, sondern von Identitätsmanagement. Es wird Coaches geben für Finanzen, Fitness, Kochen, Reise, Kinderbetreuung und Freizeitangebote.

Das klingt abstrakt.

Janszky: Die Gesellschaft wird sich aber umbauen müssen. Wir erleben in den kommenden Jahren eine Massenverrentung. 6,5 Millionen Arbeitnehmer der Babyboom-Generation gehen in den Ruhestand. Nach einer Phase der Vollbeschäftigung wird es mehr Menschen als Arbeit geben. Die Menschen benötigen dann andere sinnvolle Beschäftigungen.

Wo erwarten Sie in den kommenden Jahren den größten Sprung?

Janszky: Wissenschaft und Medizin profitieren enorm von den Rechenleistungen und künstlichen Intelligenzen. Wir sind uns sicher, dass der erste Mensch, der 150 Jahre alt wird, schon geboren ist. Neue Organe kommen aus dem 3 D-Drucker, der Lebenswandel wird gesünder und vieles mehr. Der größte Krebsexperte ist schon heute ein Computer.

Termin: Sven Gabor Janszky spricht am Sonntag, 21. Januar beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbandes Melsungen. Die Veranstaltung ist öffentlich, Gäste sind willkommen. Im Anschluss gibt es einen kleinen Imbiss. Beginn ist um 17 Uhr.

Quelle: HNA

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