Das Forstamt hat das Rücken des Holzes wegen des zu weichen Bodens gestoppt

Zwangspause im Forst

Furchen und Matsch: Der Wald bei Hattenhausen ist derzeit kein geeignetes Revier für ausgedehnte Spaziergänge. Schweres Geläuf und ein Ärgernis für Waldgenießer. Aber spätestens im Sommer soll von den Rückespuren so gut wie nichts mehr zu sehen sein. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Bis Samstagabend sah es noch so aus, als seien die Stoßgebete aus dem Wolfhager Forstamt erhört worden. Dort wünschte man sich dringend Frost, je kräftiger, desto besser, auf dass der Waldboden hart und tragbar werde für die schweren Rücke-maschinen.

In den vergangenen Wochen waren die Untergründe im Wald, beispielsweise im Naumburger Stadtforst, so weich, dass die Arbeiten eingestellt werden mussten. Die tonnenschweren Maschinen fuhren auf einigen Rückegassen derart tiefe Gleise in den Boden, dass Forstamtsleiter Uwe Zindel in Absprache mit den Revierförstern die Notbremse zog.

„Wir sind zertifiziert, und das bedeutet auch, das wir die Arbeiten mit den Rückemaschinen einstellen, wenn sie Gleise von 30 Zentimetern und tiefer in die Rückegassen fahren.“

Im Bereich Hattenhausen ruhen die Arbeiten bereits seit Tagen. Auf den löshaltigen Böden sind stellenweise Furchen gezogen wie auf einem Truppenübungsplatz der Panzerfahrer.

„100 000 Festmeter Holz setzen wir pro Jahr im Bereich des Forstamtes Wolfhagen um.“

Uwe Zindel

Man ist mittendrin in der Erntezeit im Wald, es gibt Verträge mit Rückeunternehmern, bei denen es zwar immer auch noch die Möglichkeit gibt, kurzfristig umzudisponieren und sie in noch befahrbare Abteilungen einzusetzen. Irgendwann ist der vereinbarte Zeitrahmen mit den Rückeunternehmen aber ausgereizt. Und wenn die Zeit extrem drückt, dann muss auf den Rückelinien auch schon mal ohne Rücksicht auf Verluste gefahren werden. Gezwungenermaßen, denn die Kundschaft, die Abnehmer für das hochwertige Holz, wartet. In den Sägewerken sind die Zeiten auf die Holzlieferungen eingestellt, und die Kette zieht sich weiter bis zu den Tischlern und Zimmereien: Die Verträge greifen ineinander.

100 000 Festmeter

„100 000 Festmeter Holz setzen wir pro Jahr im Bereich des Forstamtes Wolfhagen um“, sagt Amtsleiter Zindel. Im Stadtwald Naumburg sind es nach Angaben von Förster Peter Muster in diesem Jahr insgesamt 9000 Festmeter. 6500 Festmeter sind bereits eingeschlagen, davon sind 2000 gerückt, also an feste Wege gezogen.

„Wir haben Schläge, die wir überhaupt nicht angehen können“, sagt Muster. Zunächst sei man noch auf Standorte mit Sandböden, die schneller abtrocknen, ausgewichen. Aber auch da gehe nichts mehr. Muster: „Wir haben das Rücken gestoppt oder gar nicht erst angefangen.“

„Wir haben Schläge, die wir überhaupt nicht angehen können.“

Peter Muster

Die Freude am Samstag über Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hielt nicht lange. Abends kam der Schnee. Und der legt sich wie eine schützende Decke auf den Waldboden und verhindert das Durchfrieren des Bodens.

1990 ähnliches Wetter

Im Jahr 1990, erinnert sich Förster Peter Muster, „hatten wir ein ähnliches Wetter, und dann kam am 25. Januar der Orkan Wiebke“. Der hatte, wie auch die kurz darauf folgenden Stürme, auf den aufgeweichten Böden leichtes Spiel und marodierte durch die Bestände. An eine solche Entwicklung in diesem Jahr, mag von den Forstleuten keiner denken.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare