Zweckverband: Nach dem Gewerbegebiet zu nächsten Schritten

Bedeutender Wirtschaftsstandort im Landkreis: An der A7 bei Malsfeld-Ostheim haben sich große Logistiker und eine Reihe von weiteren Unternehmen angesiedelt. Foto:  Grenzebach

Kreisteil Melsungen. An der Autobahn 7 bei Malsfeld-Ostheim ist im vergangenen Jahrzehnt Eindrucksvolles gewachsen: Große Logistikhallen und eine Reihe weiterer Unternehmen dehnen sich rund um den Autohof aus, das Gewerbegebiet mit bester Verkehrsanbindung gibt inzwischen 500 Menschen Arbeit.

Fünf Städte und Gemeinden haben den Aufbau gemeinsam vollbracht: Melsungen, Felsberg, Spangenberg, Malsfeld und Morschen gründeten 1997 den Zweckverband Mittleres Fuldatal und teilen sich seither die Erschließungskosten ebenso wie die Gewerbesteuererträge. Nicht nur die Abrechnung, auch die Mitbestimmung wird anteilig nach der jeweiligen Einwohnerzahl geregelt. Oberstes Beschlussgremium ist die 20-köpfige Verbandsversammlung, in der jede Mitgliedskommune je nach Größe eine bestimmte Anzahl von Delegierten entsendet.

Geben die einzelnen Rathäuser damit nicht wichtige Entscheidungsbefugnisse aus der Hand? Nein, sagt der Vorsitzende des Gremiums, der Melsunger Volker Wagner: „Bisher hatten alle nur Vorteile.“ Jeder Partner erreiche einen vielfach größeren wirtschaftlichen Effekt, als dies durch eigene Gewerbegebiete vor Ort möglich wäre. Das liege nicht nur an der Einsparung von Entwicklungskosten, sondern auch an besseren Förderperspektiven und an der „Attraktivität der großen Einheit“ für Betriebe.

Inzwischen, so Wagner, gehe es für den Zweckverband aber um viel mehr als nur um Gewerbeansiedlung. Im zunehmenden Wettbewerb der Kommunen werde sich die Zusammenarbeit bezahlt machen, die die fünf Partner bislang eingeübt haben. Wagner: „Im Wettbewerb um Einwohner, Attraktivität und lebenswerte Infrastruktur müssen sich umliegende Städte und Gemeinden vernetzen, ihre Ressourcen bündeln, wichtige Einrichtungen und ihr Personal verschmelzen.“

Er sei fest überzeugt, dass es wegen zunehmender Finanzprobleme der Rathäuser „in spätestens zehn Jahren“ eine weitere Gebietsreform geben werde, sagte der Verbandsfunktionär. Die kommunalpolitischen Gremien täten gut daran, sich schon heute für diese Entwicklung zu rüsten – durch mehr Aufgabenteilung und Zusammenarbeit.

Unter den Zweckverbandsgemeinden werde das ansatzweise schon auf weiteren Feldern praktiziert. So werde die Personalabrechnung des Felsberger Rathauses von der Melsunger Verwaltung mit übernommen. Eine Zentralisierung von Aufgaben der Kämmereien und Standesämter könnten nächste Schritte sein, schlägt Wagner vor: „Wir haben vereinbart, über alle möglichen Formen der Zusammenarbeit nachzudenken.“

Solange es nur um leicht erzielbare Kostenvorteile geht, wird die Debatte nach Einschätzung Wagners zügig an Fahrt gewinnen. Schwieriger werde es wohl, wenn es dann in einem weiteren Schritt darum geht, dass Städte und Gemeinden hoheitliche Aufgaben abgeben sollen – etwa ihre örtliche Entscheidungsgewalt über Beitrags- und Gebührensatzungen.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare